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Magna Germania oder Großgermanien

 

früheste schriftliche Nachrichten griechischer Autoren (aus dem 6./5. Jahrhundert v. Chr.) geben Hinweise, dass das Gebiet zwischen Rhein, Neckar und Donau ursprünglich von Kelten besiedelt war.

Ausbreitung der Kelten 6. Jahrhundert v. Chr.
Ausbreitung der Kelten1 im 6. Jahrhundert v. Chr.

 

Diese wurden dann im 1. Jahrhundert v. Chr. von den germanischen Sueben2, die aus dem Nordosten der Magna Germania (Großes Germanien) kamen, verdrängt.

Das Römische Reich 116 n. Chr. und Germania Magna, mit einigen germanischen Stämmen, die von Tacitus im Jahr 98 erwähnt werden
Das Römische Reich 116 n. Chr. und Germania Magna, mit einigen germanischen Stämmen,
die von Tacitus im Jahr 98 erwähnt werden

 

Die Sueben

Julius Caesar
Julius Caesar

71 v. Chr. überschritten die von Ariovist angeführten Sueben den Oberrrhein und siedelten sich dort an. Die Gallier, die sich durch die Nachbarschaft der Germanen bedroht sahen, wandten sich an Julius Caesar und baten ihn um Hilfe gegen diese. Ariovist lehnte das Verhandlungsangebot Caesars ab und wurde 58 v. Chr. bei Mühlhausen besiegt. Der besiegte Ariovist floh über den Rhein.

 

Der Obergermanisch-Raetische Limes

Vespasian
Vespasian

Nach Gründung der Provinz Obergermanien (Germania Superior) um 85 n. Chr. begannen die Römer in der darauf folgenden Zeit, ihre rechtsrheinischen Besetzungen gegen Einfälle in die römische Provinz zu sichern. Unter der Regierung des römischen Kaisers Vespasian (69-79 n. Chr.) aus dem Haus der Flavier wurde die Kastellkette bis über die Donau vorgeschoben. Es entstand der über gut 560 Kilometer lange Obergermanisch-Raetische Limes.

 

Limes
Der Limes

Er bildete die Grenze zwischen den zum römischen Reich gehörenden Provinzen Obergermanien und Rätien und dem freien Germanien. Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurde der Limes dann durch eine Steinmauer verstärkt.

 

Obergermanisch-Raetischer Limes
Obergermanisch-Raetischer Limes

 

Das römische Vorland: Agri decumates

Ca. 100 n. Chr., nach dem Zurückweichen des suebischen Volksstammes der Markomannen3, gehörte der südwestliche Winkel Germaniens, zwischen Oberrhein und Oberdonau, für mehrere Jahrhunderte hindurch den Römern. Die Römer nannten dieses Gebiet Agri decumates (Zehntland oder Dekumatland).

Dekumatland
Dekumatland

Der westliche Teil des Gebietes gehörte zur altrömischen Provinz Germania Superior (sie umfasste Teile der heutigen Schweiz, Frankreichs und des südwestlichen Deutschlands) und der östliche Teile zur Provinz Raetia (das heutige Graubünden, Tirol, den Süden von Bayern, den Osten von Württemberg und die italienischen Alpen umfassend).

Anscheinend wurde Augusta Vindelicorum (auch Augusta Vindelicum; heute Augsburg) unter Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.) zur Hauptstadt Raetias erhoben.

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1 Kelten = Als Kernraum der frühen Kelten gilt das südwestliche Mitteleuropa, wo sie spätestens seit dem 7./6. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar sind. Ab den Jahren 300 v. Chr. setzt aufgrund einer zunehmenden Bevölkerungsdichte in den ursprünglichen Keltengebieten eine vermehrte Wanderbewegung ganzer Abordnungen von Keltenstämmen ein. Ihre Ziele waren neue Siedlungsgebiete, die sie zum Teil erst kriegerisch erobern mussten. Dabei besetzten sie zeitweise Mittel- und Südeuropa von der iberischen Halbinsel (Keltiberier) über Frankreich (Gallier), die britischen Inseln (Wales, Schottland, Irland), das nördliche Alpen- und Voralpenland, zum Teil auch den italienischen Stiefel (Etrusker), und drangen der Donau abwärts (Thraker) bis in die heutige Türkei vor (Galater, aus den gleichnamigen Briefen in der Bibel bekannt). Städtegründungen wie Paris, Turin, Budapest und Ankara gehen auf ihr Konto.

2 Aus dem römischen Ausdruck Sueben entwickelte sich im Frühmittelalter der Begriff "Schwaben", möglicherweise ein Synonym zu Alemannen bzw. Alemannien. Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. zählte man zu ihnen die Langobarden, Semnonen, Hermunduren, Markomannen und Quaden. Ein Teilstamm der Sweben ließ sich am Neckar nieder (Suebi Nicretes); aus einer nach Südwestdeutschland vorgestoßenen Gruppe gingen 213 n. Chr. die Alemannen1 und Juthungen hervor.

3 Markomannen ("die in der Mark, d. h. im Grenzland, wohnende Männer") = ein großer germanischer, zu der Gruppe der Sueven zählender Volksstamm, die vermutlich zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. von der Elbe vertrieben wurden und sich daraufhin am Main, im heutigen Franken, ansiedelten, wo sie die dort ansässigen Kelten verdrängten.
Zu Cäsars Zeit befanden sie sich in der nordöstlichen Hälfte des Königreichs Bayern. Von den Römern 9 v. Chr. besiegt, zogen sie zusammen mit den Quaden unter König Marbod nach Böhmen, in das Land der Bojer (keltischer Stamm, der von Gallien um 400 v. Chr. nach Oberitalien (Hauptstadt Bononia, heute Bologna) beziehungsweise in das nach ihm benannte Böhmen (Boiohaemum) eindrang), nördlich der Donau, wo Marbod im Bund mit anderen germanischen Stämmen ein großes germanisches Reich errichtete, das vom römischen Kaiser Augustus als potenzielle Gefahr für Rom wahrgenommen wurde. Im Jahr 19 gerieten die Markomannen unter römischen Einfluss und waren 30 Jahre lang ein römischer Klientelstaat. Der Druck anderer Germanenstämme, soziale und wirtschaftliche Veränderungen und die Schwäche der römischen Reichsverteidigung führten zu den Markomannenkriegen, die mit Unterbrechungen von 166 bis 180 n. Chr. dauerten.
433 kamen die in Pannonien ansässigen Markomannen unter die Herrschaft der Hunnen. Im 6. Jahrhundert wanderten sie nach Bayern aus und ihr Name verlor sich allmählich. Fortan erschienen sie unter dem Namen Bayern, ein Name, den sie bereits aus ihrer böhmischen Heimat mitgebracht hatten, nach der sie Vaiwarier, d. h. Bewohner von Baiheim (Böhmen), hießen.

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