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Das 17. Jahrhundert, ein Jahrhundert der Kriege

Der 30-jährige Krieg (1618 - 1648)

(Teil 1 von 2)

Der Böhmisch-Pfälzische Krieg (1618-1625)

Rudolf II.
Rudolf II.

die religiösen Spannungen im Reich hatten sich unter der Herrschaft Kaiser Rudolfs II. (1576-1612) und dessen Rekatholisierungs-maßnahmen bedeutend verschärft. In vielen Teilen Deutschlands wurden protestantische Kirchen zerstört, das Recht der Protestanten auf freie Religionsausübung wurde beschnitten, und die kaiserliche Seite nahm den Augsburger Religionsfrieden1 als Grundlage für die Gegenreformation.

 

Das Defensivbündnis

Mit der Bildung der Union (1608), einem Defensivbündnis protestantischer Fürsten und Städte im Reich, und der Liga (1609), einem vergleichbaren Zusammenschluss der Katholisch-Kaiserlichen, wurde der politische und konfessionelle Gegensatz zwischen den beiden Parteien verfestigt; eine friedliche Lösung des Konflikts schien kaum mehr möglich.

 

Der Aufstand der protestantischen Adligen in Böhmen

Ferdinand II.
Ferdinand II.

Der Konflikt eskalierte in Böhmen, das den Habsburgern unterstand und mehrheitlich protestantisch war. Rudolf II. hatte den böhmischen Protestanten, um sie zu beruhigen, 1609 im so genannten Majestätsbrief weitgehende Autonomie und v.a. Religionsfreiheit garantiert. 1617 wurde der streng katholische Ferdinand II. von Habsburg zum König von Böhmen gewählt.

Ferdinand musste bei seiner Königswahl den böhmischen Protestanten Religionfreiheit zusichern. Der überzeugte Katholik wollte sich aber darüber hinwegsetzen und gab so von seiner Residenz in Wien seinen Statthaltern in Prag Anweisungen.

Karlsbrücke und Hradschin in Prag
Karlsbrücke und Hradschin in Prag

Die Statthalter berieten nun in der Prager Burg, wie Böhmen katholisch werden konnte. Sie hatten den Abriss von protestantischen Kirchen gebilligt, das für die protestantischen Ständevertreter der Bruch des Majestätsbriefes war.

Die entsprechenden Beschwerden der protestantischen Böhmen wies der König zurück, lehnte jede Form des Protestantismus ab und untersagte alle weiteren Zusammenkünfte der protestantischen Stände.

 

Der Prager Fenstersturz

Prager Fenstersturz 1618
Prager Fenstersturz 1618

Ihr Widerstand gipfelte schließlich im so genannten Prager Fenster-sturz2 am 23. Mai 1618.

Die "ketzerischen" Protestanten warfen zwei königliche Statthalter, Wilhelm von Slawata und Jaroslaw Martinizt, und deren Schreiber aus dem Fenster der Prager Burg (Hradschin).

Prager Fenstersturz
Prager Fenstersturz

 

Die Statthalter überlebten den Sturz, weil sie angeblich in einem Misthaufen landeten. Die Katholiken führten das Überleben der Wilhelm Slawata Jaroslaw Martinitz Statthalter auf das Eingreifen der Mutter Gottes zurück.

Der Protest für Recht und Freiheit gegen die Politik Ferdinands wurde von der katholischen Propaganda in Wien als einen brutalen Anschlag interpretiert. Der Prager Fenstersturz löste eine Folge der Gewalt aus.

Er war der Anfang des Böhmischen Aufstandes, der Auseinandersetzung zwischen den böhmischen Protestanten und dem Haus Habsburg, der erste Teil des Dreißigjährigen Krieges.

Einige Feldzüge des 30-jährigen Krieges
Einige Feldzüge des 30-jährigen Krieges

 

 

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1 Augsburger Religionsfrieden: Reichsgesetz vom 25. 9. 1555 zwischen König Ferdinand I., der seinen Bruder Kaiser Karl V. vertrat, und den protestantischen Reichsständen zur Beruhigung der ausbrechenden Unruhen zwischen den protestantischen und den katholischen Reichsständen.
Die wichtigsten Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens waren: Den Lutheranern (nicht aber den Reformierten) wurde Frieden und Besitzstand garantiert; den weltlichen Fürsten wurde Religionsfreiheit zugesichert sowie das Recht, über die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen (Cuius regio, eius religio). Das bedeutete aber nicht religiöse Freiheit der Untertanen oder gar Toleranz, sondern Freiheit der Fürsten, ihre Religion zu wählen. Den Untertanen, die nicht konvertieren wollten, wurde lediglich das "Recht" eingeräumt, in ein Territorium ihres Glaubens auszuwandern; die geistlichen Fürsten wurden von der Religionsfreiheit ausgenommen; wenn sie zur Reformation übertraten, verloren sie Amt und Territorien; damit sollte die katholische Reichskirche geschützt werden. Die Säkularisation (meist durch Enteignung vollzogene Umwandlung von Kirchengut in weltlichen Besitz) von Kirchengut wurde bis zum Passauer Vertrag von 1552 rückwirkend legalisiert, weitere Säkularisationen wurden verboten.

2 Stände = ständische (rechtlich und sozial abgeschlossene Gruppen) Volksvertretung; siehe die Einteilung der mittelalterlichen Ständeordnug

2 Prager Fenstersturz = Fensterstürze waren im Mittelalter und der Frühen Neuzeit gelegentlich vorkommende Formen des Protestes. In Prag scheint eine besondere Neigung dazu bestanden zu haben, denn es sind insgesamt drei historisch bedeutsame Prager Fensterstürze überliefert: 1419 stürmten Hussiten die Prager Burg und warfen sieben katholische Ratsmitglieder aus dem Fenster, die anschließend aufgespießt wurden. Der zweite Prager Fenstersturz von 1618 war der bedeutsamste und ist heute der bekannteste. Der dritte Prager Fnstersturz fand 1948 statt. Nach einem kommunistischen Putsch stürzte der (nichtkommunistische) Außenminister Jan Masaryk aus dem Fenster seines Büros und starb. Offiziell wurde dies als Selbstmord dargestellt, Gerüchten zufolge war es Mord. Erneute Ermittlungen 1993 endeten damit, dass die Umstände seines Todes offiziell als "ungeklärt" gelten.

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