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Das 17. Jahrhundert, ein Jahrhundert der Kriege

Der 30-jährige Krieg (1618 - 1648)

(Teil 2 von 2)

Der Schwedische Krieg (1630-1635)

Axel Oxenstierna
Axel Oxenstierna

oxenstierna versuchte nun die protestantischen Stände im Heilbronner Bund (23. 4. 1633) organisatorisch zu vereinen. Dieser verfolgte drei Ziele: die Stabilisierung der deutschen Libertät, Friede im Reich und angemessene Kriegsentschädigung für Schweden. Allerdings hielt dieser Bund nicht lange, denn im Jahr darauf, 1634, erlitten die Protestanten in der Schlacht bei Nördlingen eine heftige Niederlage gegen spanische und kaiserliche Truppen.

Schlacht bei Nördlingen - 6. September 1634
Schlacht bei Nördlingen - 6. September 1634

 

Zwei Drittel der 6.000 Mann starken württembergischen Landmiliz, welche die Schweden unterstützt hatte, fiel in der Schlacht. Die Sieger schätzten die gefallenen Feinde auf 17.000, die Gefangenen auf 4.000 Mann.

Das Herzogtum Wirtemberg wurde von den Kaiserlichen verwüstet. Es kam zu Plünderungen und Brandschatzungen im Land. Städte, wie Schlacht bei Breitenfeld - 17. September 1631 Waiblingen, Herrenberg und Calw wurden niedergebrannt, Stuttgart wurde im September 1634 von Kaiser Ferdinand II. besetzt.

Wirtemberg wurde als von Österreich erobertes Gebiet betrachtet und als solches verwaltet. Kaiserliche Räte regierten ohne Mitwirkung der wirtembergischen Landstände.

Der damalige Herrscher Herzog Eberhard III. floh ins Exil nach Straßburg. In der Folgezeit wurde das Land durch Armut, Hunger und der Pestepidemie von 1637 entvölkert (1618 zählte man 450.000 Einwohner, 1639 waren es 100.000 und 1648 waren es nur noch 166.000 Einwohner).

 

Der Prager Frieden

Abdruck des Parger Friedens von 1635
Abdruck des Parger Friedens von 1635

Viele zuvor mit den Schweden verbündete deutsche Fürsten suchten nach der Schlacht bei Nördlingen eine Annäherung an den Kaiser, was im Prager Frieden1 vom 30.Mai 1635 seinen Ausdruck fand. Der Vertrag war der Versuch einen Verfassungs- und Religionsfrieden auf Reichsebene herzustellen. Ordnung und Ruhe brachte der Vertrag allerdings nicht, da er ohne die ausländischen europäischen Mächte geschlossen wurde.

Die protestantischen Schweden blieben im Reich und fanden einen mächtigen Verbündeten im Kampf gegen den Kaiser: das katholische Frankreich, das sich von den im Reich und in Spanien regierenden Habsburgern umzingelt fühlte.

Europa 1635
Europa 1635

Mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Für die Zivilbevölkerung folgten 14 Schreckensjahre.

mehr ...... Grausamkeiten des 30-jährigen Krieges

 

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1 Prager Frieden = Friedensvertrag zwischen Kaiser Ferdinand II. als Anführer der Katholiken und dem Kurfürsten von Sachsen als Haupt der Protestanten.
Wichtigste Bestimmung war, dass das Restitutionsedikt für 40 Jahre auf der Basis des Zustandes von 1627 außer Kraft gesetzt.. Außerdem sollte eine Reichsarmee geschaffen werden, die das Reich vor äußeren Feinden, nämlich den Schweden und Franzosen, schützen sollte.
Das Restitutionsedikt wurde nicht aufgehoben, sondern für 40 Jahre auf der Basis des Zustandes von 1627 außer Kraft gesetzt. Das reformierte (calvinistische) Bekenntnis blieb von einem reichsrechtlichen Schutz ausgeschlossen. Der Konfessionsstand von 1627 wurde zur Norm erhoben, d.h. kirchliche Rechte und Besitzungen verbleiben bei derjenigen kirchlichen Einrichtung (Pfarrei, Kloster, Stifts- oder Domkirche) bei der sie 1627 gewesen waren. Der Gottesdienst wurde so gehalten, wie er 1627 gehalten worden war. Das 'Normaljahr' war sowohl für die Protestanten als auch für die Katholiken erträglich. Die Protestanten hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Einbußen erlitten. Wie Protestanten und Katholiken in einem Reich zusammenleben sollten, wurde bei den Friedensverhandlungen aber nicht gelöst. Ein allgemeiner Frieden für Deutschland konnte aber nicht hergestellt werden. Dies war – zumindest vom Kaiser – auch gar nicht angestrebt worden, dachte Ferdinand II. doch, dass es ihm mit Hilfe der vereinigten Reichsstände gelingen könnte, Schweden und Franzosen aus dem Reich zu vertreiben, ohne ihnen politische oder territoriale Zugeständnisse machen zu müssen. Dies hat sich dann als fataler Irrtum erwiesen, weshalb die Verheerungen des Krieges sich in Deutschland noch mehr als zehn Jahre fortsetzten.

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