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Wirtemberg unter Herzog Karl Eugen (1737 - 1793)

(Teil 3 von 7)

Jakob Christian Schlotterbeck: Herzog Carl Eugen
Jakob Christian Schlotterbeck:
Herzog Carl Eugen

von 1737 – 1793 regierte der katholische Herzog Karl Eugen. Bei seinem Amtsantritt war er zunächst unmündig und wurde am Hof des Preußenkönigs Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt, in Potsdam erzogen, um ihn aus dem Einflussbereich der katholischen Habsburger heraus zu halten. Wie sein Vater Karl Alexander unterzeichnete der junge Herzog die Religionsreversalien1 und erkannte den Tübinger Vertrag2 von 1514 an, ohne wohl im Geringsten abschätzen zu können, wie sehr ihn diese Akte in seiner Hofhaltung und Regierungspraxis einschränken würden.

Stuttgarter Schlossplatz mit Neuem SchlossAußenpolitisches Ziel Karl Eugens war es durch politische Stärke politischen Einfluss auf die europäischen Großmächte zu gewinnen. Innenpolitisch strebte Karl Eugen die Entmachtung der wirtembergischen Ehrbarkeit3 an. Bald stürzte er sich aber in einen Strudel sinnlicher Genüsse. Er veranstaltete aufwendige, prunkvolle Feste in Ludwigsburg, hielt sich ein eigenes Hofballett und baute sich ein Opernhaus.

Lustschloss Solitude zur Zeit Herzog Karl Eugens
Lustschloss Solitude zur Zeit Herzog Karl Eugens

Mit großer Pracht und enormen Kosten baute er das Neue Schloss in Stuttgart sowie die Lustschlösser Solitude und Hohenheim.

Bis Ende der 1740er Jahre gab sich der Herzog vorwiegend dem puren Vergnügen hin. Danach übernahm er immer mehr die Regierungsgeschäfte.

Bis etwa 1770 war er ein überwiegend tyrannischer absolutistischer Herrscher, der keine Meinungsäußerung und Opposition duldete (Opponenten wurden ins Gefängnis gessteckt).

Lustschloss Hohenheim in Stuttgart-Hohenheim
Lustschloss Hohenheim in Stuttgart-Hohenheim

Karl Eugen trachtete wegen seiner pompös verschwenderischen Hof-haltung und seiner "Bauwut", die ihn stets von der Bewilligung von Finanzmitteln durch die Landstände abhängig machten, bald nach eigenen Finanzquellen.

 

Der 1. Subsidienvertrag mit Frankreich

Landschaftsgebäude in Stuttgart
Landschaftsgebäude in Stuttgart

1752 schloss Herzog Karl Eugen den ersten Subsidienvertrag mit Frankreich ab, der ihm für geraume Zeit finanziellen Spielraum gab.

Karl Eugen hatte den Vertrag vorher weder mit dem Geheimen Rat noch mit der Landschaft (Vertreter der "Ämter") abgesprochen. Die hohen Ausgaben des Herzogs für das glanzvolle Hofleben trugen dazu bei, dass sich Herrscher und Landschaft immer mehr entfremdeten.

Für die Stellung eines Subsidienheeres in der Truppenstärke von 6.000 Mann (dreimal so groß wie das gesamte württembergische Heer dieser Tage) zahlte Frankreich auf die Dauer von 6 Jahren 130.000 fl.4 Hilfsgelder.

 

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1 Religionsreversalien waren ein Vertragswerk zwischen dem Herzog und der württembergischen Landschaft, das u. a. die Anerkennung des Protestantismus als Staatsreligion und der evangelischen Kirchenorganisation beinhaltet.

2 Der Tübinger Vertrag wurde am 8. Juli 1514 zwischen den württembergischen Landständen und Herzog Ulrich geschlossen.
In dem Vertrag verpflichtete sich der Herzog, Fragen der Steuererhebung, von Landesverteidigung und Kriegswesen sowie den Verkauf von Landesteilen nur mit Zustimmung der Landstände zu regeln.
Weiter wurde die „grundherrliche Abzugssteuer“ abgeschafft, wodurch die freie Ausreise ermöglicht wurde.
Der Vertrag sicherte allen Bewohnern bei Strafprozessen ein ordnungsgemäßes Verfahren zu.
Im Gegenzug verpflichteten sich die Landstände für mindestens 40 Jahre, für die Schulden (910.000 Fl.) des Herzogs aufzukommen.

3 In der Geschichte Altwürttembergs bezeichnet man mit Ehrbarkeit die evangelischen Bürger, deren Familien (etwa 30) im Landtag vertreten waren. Das waren vor allem Pfarrer und Beamte.

4 Floren (lat. Florenus, ital. Fiorino, franz. Florin), eine im 11. Jahrhundert in Florenz geprägte Münze von feinem Gold.

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