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Wasserburg bei Günzburg in Bayrisch Schwaben

der Heimatort meines Urururgroßvaters Johann Georg Fuchs

Die Lage Wasserburgs heute
Die Lage Wasserburgs heute

Wasserburg1 liegt zwischen zwei Armen des Günzflusses. Mit seinen Siedlungen wuchs es im Südwesten auf die Höhe des Günztalrandes und im Norden verzahnt sich der Ort heute baulich mit Günzburg2.

Die namensgebende (Wasser-) Burg wurde im Mittelalter mit bischöflichen Augsburgischer Bewilligung zwischen der Günz und dem Kühl-Bach (heute: Butzengünz) erbaut, wo die Wasserburger Mühle stand und einem edlen Geschlecht als bischöfliches Lehen verliehen, welches von dieser Burg den Namen trug.

Beurkundet sind 1259 Volkmar von Wasserburg (Waszeburc), 1258 sein Bruder Conrad als Kanoniker zu Augsburg, 1285 Gehrung von Wasserburch und 1314 Wolfharde (Wolfhard) von Wasserburg.

Wasserburg bei Günzburg 1930
Wasserburg bei Günzburg 1930

Als im 14. Jahrhundert das Gebiet der Markgrafschaft Burgau3, zu dem Wasserburg zählte, unter habsburgische Hoheit kam, konnte Hiltpold von Knöringen am 30. November 1351 den Kirchenschatz von Jettingen gegen 30 Silbermark von Herzog Albrecht II. von Österreich als Pfand erhalten.
Seither saßen die Herren von Knöringen zu Jettingen in der kleinen Wasserburg.

Im bischöflichen Besitz der Burg Wasserburg mit ihrer Freiung, der Mühle mit Mädern und Fischenzen und allem, was dazu gehört, darunter auch Höfe und Sölden4 zu Denzingen ist 1424 der Burgauer Landvogt Hans von Knöringen, Lehenträger seiner Frau Anna vom Stain, deren Mutter Ursula von Wasserburg war, beurkundet5, die offenbar die Letzte des Geschlechts von Wasserburg gewesen war. Bei erneuter Verpfändung wird am 25. Juni 1436 erstmals Hans von Knöringen genannt6.

Wappen der Familie von Argon
Wappen der Familie von Argon

Am 23. April 1442 als Kaiser Sigismund7 sich bei der Familie Peter Egen8 aufhielt, verlieh er dem Peter außer einem neuen Wappen 2 Höfe, 6 Sölden in Märdingen, eine Fischenz in Täfertingen, eine Lehenschaft in der Markgrafschaft Burgau und adelte ihn zu Peter von Argon (auch: Argun)9.

Beurkundet ist, dass das Schloss Wasserburg 1454 im Besitz von Peter von Argon war. Peter verstarb 1452 überraschend in Wien unter mysteriösen Umständen. Schon früh ist der Verdacht geäußert worden, der Tod sei nicht auf natürliche Wege erfolgt.10

Ludwig IX. von Bayern-Landshut
Ludwig IX. von Bayern-Landshut

Während des bayrischen Krieges von 1459 bis 1463 gaben die Argonschen Erben (Anton, Sigmund und Jacob) ihr Bürgerrecht auf.
Sigmund und Jacob schlugen sich auf die Seite Ludwig IX., Herzog von Bayern-Landshut, mit welchem Kaiser Friedrich III.11 und die Städte im Krieg verwickelt waren.
Anton, der älteste, ging anfangs nach Lauingen, nahm aber dann wieder das Bürgerrecht in Augsburg an.

Das Vergehen der beiden jüngeren Brüder (Sigmund und Jacob) sich auf die Seite des Feindes geschlagen zu haben, veranlasste Kaiser Friedrich III. im Jahr 1463 Kommissare nach Augsburg zu schicken, um die Argonschen Häuser und das Waag- und Münzrecht beschlagnahmen zu lassen.

Nach dem bayrischen Krieg von 1459 bis 1463 wurde das Schloss Wasserburg Zentrum des Jacob von Argon gegen die Reichsstädte, von wo er in Verbindung mit mehreren Edelleuten, wie Burkhardt von Knöringen, Hans von Reinau, Jakob von Grönenbach, Georg von Burtenbach, u. a.12, insgesamt ca. 60 Personen, die städtischen Besitzungen und die Kaufleute von Augsburg beschädigte. Sie entwendeten bei Günzburg vier schwer mit belgischem und englischem Tuch beladene Wagen und brachten die Beute ins Schloss Wasserburg.

Friedrich III.

Daraufhin beauftragte Kaiser Friedrich III. den Herzog Ludwig von Bayern, dem ohnedies der Ein- und Ausgang in diesem Schloss rechtmäßig vorbehalten war, die Friedensstörer zu bestrafen.
Herzog Ludwig schrieb deshalb am 31. Oktober 1465 an den Rat zu Rosenheim und bat diesen um Hilfe. Im Winterfeldzug 1465/66 wurde das Schloss von Herzog Ludwig und den Rosenheimern erobert.13 1466 wurde den Edelleuten vom Kaiser die Reichsacht verhängt14 und zur Lichtmeß15 [2. Februar] 1467 wurde das Schloss Wasserburg auf Befehl Kaisers Friedrichs III. von Kardinal Bischof Peter von Augsburg16 angezündet und dem Erdboden gleichgemacht16. Übrig blieb nur die Wasserburger Lehensmühle.
Mit dem Tod Georgs von Argon [Sohn von Anton] am 27. September 1532 starb das Argonsche Geschlecht im Mannesstamm aus.

 

1527 erwarb die Wasserburger Lehensmühle Hans Besserer (*nach 1456 in Memmingen; †1534 in Günzburg). 1621 ist Don Rodrigo Barragan, Landvogteiverwalter zu Günzburg, als Freiherr von Wasserburg genannt.

 

Wasserrad einer historischen Mühle
Wasserrad einer historischen Mühle

Später im Besitz von Oberst-Jägermeister Johann Josef Freiherr von Imhof zu Untermeitingen (*21. 6. 1667; †28. 12. 1738), der 1719 von einem Freiherrn von Ehingen das Gut Wasserburg bei Günzburg kaufte, wo zu diesem Zeitpunkt nur eine alte Mühle stand, diese zu einem freiadeligen, d. h. von Steuern weitgehend unbelasteten Ansitz ausbaute, im Umfeld einige Wohnhäuser und eine Kapelle errichten ließ17 und so den Grundstein für das Dorf Wasserburg legte.

1748 kaufte die Stadt Günzburg den Besitz der von Imhof. Das Dorf Wasserburg lag eine halbe Stunde von Günzburg im Günztal entfernt, bildete eine eigene Ruralgemeinde und gehörte zum Steuerdistikt Günzburg.

Kapelle in Wasserburg
Kapelle in Wasserburg in der Ortstraße, erbaut 1788

1818 zählte Wasserburg 39 Häuser und 219 Einwohner, 1823 hatte das Dorf 41 Häuser, 54 Familien und 329 Bewohnern.

1840 erwähnte Max Siebert in: "Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt" Wasserburg als k.[ein] Dorf, zum Landgericht Günzburg gehörig, mit 29 Häusern und 251 Seelen.

1844 wurde Wasserburg als Weiler mit 59 Häusern, einer Kapelle, einem Bräu-, einem Branntweinbrenn-, einem Wein-, einem Bierwirtshaus, einer Mühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang an der Günz bezeichnet18.

185319 zählte das Pfarrdorf Wasserburg bereits 71 Häuser, 77 Familien und 293 Einwohner.

 

Von hier (Wasserburg) zog der ledige Müller Johann Georg Fuchs (mein Urururgroßvater; *23. April 1801 in Wasserburg;) 1822 über Odessa nach Sarata in Bessarabien aus, wo er am 23. November 1824 die Witwe Klara Cleopha Klein (*25. Okt 1802 in Gundremmingen) heiratete.

Wasserburg vor 1926 mit der alten Kapelle
Wasserburg vor 1926 mit der alten Kapelle im roten Kreis

 

barra

1 Johann Nepomuck Franz Anton von Raiser: Guntia, und merkwürdigere Ereignisse der Donau- Stadt Günzburg, in der Umgegend, und in der Markgrafschaft Burgau; Beschreibung des römischen Antiquariums zu Augsburg; und neue Funde römischer und deutscher Alterthümer in Augsburg, und in der Nachbarschaft, Rösl-Verlag, Augsburg, 1823, S. 37, 118;

2 Stadt Günzgurg in: Statistisches Handbuch für den Regierungs-Bezirk von Schwaben und Neuburg, bearbeitet von Georg Friedrich Kramer, Selbstverlag, Augsburg, 1841, S. 82;

3 Markgrafschaft Burgau = Markgrafschaft in Schwaben, zwischen dem Lech, Iller und der Donau, mit den Städten Günzburg und Burgau.

4 Sölde = In Bayern und Österreich ist die Sölde ein geringes Haus auf dem Lande, entweder ohne Acker, oder doch nur mit wenigem Acker. Im letzteren Fall macht die Sölde etwa den vierten Teil eines völligen Bauerngutes aus.
Den Besitzer eines solchen Gutes nennt man Söldener (Söldner), ein Kleinbauer, der manchmal auch etwas Vieh besaß und in der Regel davon allein nicht leben konnte. Als Tagelöhner oder Handwerker musste er sich zusätzlichen "Sold" hinzuverdienen. Anders als die Bauern hatten die Söldner meist auch keine Pferde. Deshalb mussten sie statt der Spanndienste Handscharwerkdienste leisten.

5 Johann Nepomuck Franz Anton von Raiser: Guntia, und merkwürdigere Ereignisse der Donau- Stadt Günzburg, in der Umgegend, und in der Markgrafschaft Burgau; Beschreibung des römischen Antiquariums zu Augsburg; und neue Funde römischer und deutscher Alterthümer in Augsburg, und in der Nachbarschaft, Rösl-Verlag, Augsburg, 1823, S. 118;

6 Werner Meyer: Burgen und Schlösser in Bayrisch Schwaben, Weidlich, 1979, S. 114

7 Sigismund von Luxemburg (* 15. Februar 1368 in Nürnberg; † 9. Dezember 1437 in Znaim, Mähren), auch Siegmund, stammte aus dem Hause der Luxemburger. Er war Kurfürst von Brandenburg von 1378 bis 1388 und von 1411 bis 1415, König von Ungarn und Kroatien seit 1387, römisch-deutscher König seit 1411, König von Böhmen seit 1419 und römisch- deutscher Kaiser von 1433 bis zu seinem Tode.
Sigmund war eine Art Hausfreund der Familie Egen, bei denen er mehrmals übernachtete. 1432 bei einer der Übernachtungen wurde er Taufpate von Peters Sohn Sigmund.

8 Peter Egen (*um 1413/1414; † 1452 in Wien), Sohn des Lorenz Egen (†1418) und der Dorothea Waldstromer, gelingt es 1447 das Waag- und Münzrecht vom Augsburger Bischof für sich und seine Familie zu kaufen. Auch die Steuereinnahmen für Wein und Salz fließen bald in die Familienkasse der Argon. Doch damit wird Peter für einige Augsburger zu einer Bedrohung. Er hatte ein jährliches Einkommen von 2600 fl. und war damit der reichste Mann in ganz Augsburg. Für manchen war er zu reich und zu mächtig geworden. Ein jahrzehntelanger Streit zwischen der Stadt Augsburg und der Familie Argon beginnt.
Der Niedergang der Familie beginnt mit der Verfemung und angeblichen Ermordung Peter von Argons und endet im Bruderzwist mit Diebstahl, Entführung und die Tendenz zum Raubrittertum bei seinem Sohn Jacob.
(Die Chroniken der schwäbischen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert, Augsburg, Zweiter Band, Hirzel Verlag, Leipzig, 1866, S. 395 ff.)

9 Paul von Stetten: Geschichte der adelichen Geschlechter in der freyen Reichsstadt Augsburg, Augsburg 1762, S. 58;

10 Schon früh ist der Verdacht geäußert worden, der Tod sei nicht auf natürliche Wege erfolgt: „und man hat in“, heißt es in einer Chronikenhandschrift aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts - „heimlich gehenckt an ain widen, die wissenden, als er von Wien zoch von dem Kayser“, und dazu ist am Rande bemerkt: „die von Augspurg schuffen“.
Der Leichnam Peters von Argon wurde nach Augsburg gebracht, um in der von seinem Vater gestifteten St. Antoniuskapelle in der Wintergasse hinter dem Egschen Haus beigesetzt zu werden.
(Die Chroniken der schwäbischen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert, Augsburg, Zweiter Band, Hirzel Verlag, Leipzig, 1866, S. 414 ff.)

11 Friedrich III. war ab 1440 römisch-deutscher König und ab 1452 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

12 Jahresbericht des Historischen Kreisvereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg für das Jahr 1865, Volume 31, Pfeiffer Buchdruckerei, Augsburg, 1866, S.74;

13 Otto Titan von Hefner: Die Chronik von Rosenheim, Rosenheim, 1860, S. 112;

14 Acht = [althochdeutsch ahta »Verfolgung«] (Ächtung), Ausstoßung aus der Gemeinschaft.
Im germanischen Recht bedeutete Acht die Ausstoßung des Rechtsbrechers aus der Rechts- und Friedensgemeinschaft (Friedlosigkeit, Friedloslegung); jeder durfte ihn bußlos töten. Der Geächtete konnte sich aus der Acht lösen, indem er sich dem Gericht stellte und sich dessen Urteil unterwarf.
Das mittelalterliche Recht sah die Acht nur noch als Strafe für den Bruch des Landfriedens vor. Eine mildere Form der Acht war die Verfestung, bei der jedermann den Verfesteten gefangen nehmen und an den Richter abliefern oder bei Widerstand töten konnte.
Die Acht erstreckte sich zunächst nur auf den Bezirk des Gerichts, konnte aber als Landesacht auf das ganze Land ausgedehnt werden.
Die Reichsacht konnte nur der Kaiser aussprechen; ihre Folgen erstreckten sich über das ganze Reich, sie traf selbst mächtige Fürste.

14 Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert, S. Hirzel Verlag, Augsburg, 1892, S. 204

15 Peter von Schaumberg (* 22. Februar 1388 auf dem Wasserschloss Mitwitz; † 12. April 1469 auf Schloss Dillingen) war von 1424 bis zu seinem Tod Bischof von Augsburg.

16 Johann Christian von Pfister: Geschichte von Schwaben: Die Zeit des Schwäbischen Bundes, Volume 2, Löffel und Sohn, Stuttgart, 1827, S. 210;

17 Dae-Hyeon Hwang: Sozialer Wandel und administrative Verdichtung: der ländliche Grundbesitz der Augsburger Familien Rehlingen und Imhof während der frühen Neuzeit, Wißner-Verlag, Augsburg, 2004, S. 117
Die Kapelle musste 1926 einer Straßenkreuzung weichen.

18 Repertorium des topographischen Atlasblattes Burgau. 1844, S. 28

19 Pleickhard Stumpf: Bayern: Ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches, Zweiter Teil, München, 1853, S. 975;

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