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Das multiethnische Bessarabien

(Teil 1 von 5)

Bessarabien in Europa
Bessarabien in Europa

bessarabien, an der südöstlichen Peripherie Europas gelegen, war in der antiken Welt ein Durchzugsgebiet für verschiedene Ethnien, Völker und Stämme mit unterschiedlicher Geschichte und Kultur, die über Jahrhunderte in einem zumeist friedlichen Nachbarschafts-verhältnis lebten.

Die Bevölkerungsstatistik aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zeigt, wie bunt die Bevölkerung Bessarabiens zusammengesetzt war. Die letzte Volkszählung von 1930 macht das sehr deutlich. Bessarabien hatte 2.864.402 Einwohnern. Davon waren

  • Bevòlkerungsstatistik 1930
    l.6l0.757 Rumänen (Moldauer),
  • 35l.9l2 Russen,
  • 314.211 Ukrainer,
  • 204.858 Juden,
  • l63.726 Bulgaren1,
  • 98.172 Gagausen2,
  • 8l.089 Deutsche,
  • l3.5l8 Zigeuner (diese Bezeichnung wurde damals nicht als diskriminierend empfunden) und
  • 26.159 „andere“.
Lipowaner
Lipowaner

Die Gruppe der „anderen" umfasste Lipowaner3 im Donaudelta, Schweizer Weinbauern in Schabo (Шабо) bei Akkerman4 (Bilhorod-Dnistrowskyj), Griechen, Polen, mehrere tausend Armenier und Albaner und andere vorwiegend in den Städten lebende Gruppen.

Von den anderen Nationalitäten, waren die etwa 5.000 Griechen am wichtigsten; fast alle von ihnen waren im Business oder im Bankwesen der Städte beschäftigt.

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1Bulgaren = einzelne bulgarische Familien kamen schon 1770, 1790 und 1806 als Emigranten in die Gegend von Ismail, in den Budschak nach Südbessarabien, um Schutz vor dem Osmanischen Reich zu finden. 1812, nachdem Bessarabien zum Russischen kam, lebten bulgarische Kolonisten in 60 Dörfern Bessarabiens.
Größere Gruppen wanderten im Rahmen der russischen Ansiedlungen nach der endgültigen russischen Übernahme von 1812 ein. Sie ließen sich westlich von Ismajil bei der Stadt Bolgrad und auf den von den Tataren verlassenen Gebieten im Süden nieder.
1819 erhielten die 24.000 in Bessarabien lebenden Bulgaren eine Selbstverwaltung und den Kolonistenstatus, der mit Privilegien verbunden war. 1927 lebten zirka 150.000 Bulgaren in Bessarabien.

2Gagausen = christliche Volksgruppe im autonomen Gebiet Gagausien in Moldawien, im Südosten von Bessarabien, sowie in Russland, der Ukraine, Rumänien und Bulgarien; als Vorfahren der Gagausen gelten die Turkölker der Petschenegen und der Kyptschaken.

3Lipowaner = altgläubige orthodoxe Christen, die an der Donaumündung, im Budschak (heute Oblast Odessa, Ukraine) und in der Norddobrudscha (Rumänien), wohnen. Sie sprechen eine sehr alte Version der russischen Sprache. Im Russischen Reich wurden sie von Staat und Kirche verfolgt.

4Tyras = die 600 v. Chr. von den ionischen Griechen gegründete Stadt Tyras gehört zu den ältesten Städten der Welt; die Phönizer nannten sie Ophiussa, die Griechen Makaphon und ab 400 vor Chr. wurde sie Tyras (nach dem gleichnamigen Fluss) genannt. In römischer Zeit hieß die Stadt Alba Julia; die slawischen Stämme nannten sie Belgorod (weiße Stadt), seit dem 10. Jahrhundert sind die Namen Maurocastro und Aspocastro bekannt; die Kumanen bezeichneten die Stadt im 12. Jahrhundert als Barmunia und Ak-Libo; Ende des 13. Jahrhunderts bekam sie den Namen Moncastro oder Malvocastro. Unter den moldauischen Fürsten gehörte die Stadt, jetzt Cetatea Albă (weiße Zitadelle) genannt, zu einem Verteidigungsgürtel gegen die Mongoleneinfälle. Nach der Eroberung 1484 durch türkische Heere hieß sie Akkerman (aq = weiß und kerman = Stadt). Nach dem Anschluss Bessarabiens an Rumänien (1918) erhielt die Stadt wieder ihren moldauische Namen Cetatea Albă. Heute heißt sie Bolgorod Dnjestrowski.

 

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