Du bist in: Bessarabien > Die bessarabische Juden

Die Juden Neubessarabiens unter moldauischer Herrschaft

 

Friede von Paris 1856
Friede von Paris 1856

d

er Friedensvertrag von Paris im Jahr 1856 beendete den militärischen Konflikt Russlands mit dem Osmanischen Reich, Groß-britannien und Frankreich (Krimkieg).

Ein Gebiet Südwestbessarabiens (Neubessarabien genannt) wurde wieder dem Fürstentum Moldau zugeteilt und die dort lebenden Juden sollten nun das Schicksal der anderen im Fürstentum Moldau lebenden Juden teilen.

 

Im Jahr 1859 entstand durch die Vereinigung der Fürstentümer Moldau und Walachei der moderne rumänische Staat. Die jüdische Bevölkerung betrug in der Moldau fast 125.000 und in der Walachei zirka 9.300.

Auf Phasen der Duldung folgten Phasen der Intoleranz, Verfolgungen und Pogrome. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts (1710 in Târgu Neamț, 1796 in Galaţi) hatte die uralte Ritualmordlegende auch das damalige Fürstentum Moldau erreicht, was schwerwiegende Folgen haben sollte.

 

Michael Sturdza
Michael Sturdza

So kam es auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einigen Städten des Fürstentums Moldau (Iași, Roman, Galați, Bacău, Piatra Neamț usw.) zu mehreren Ritualmordanklagen.

Unter der Herrschaft Michael Stourdzas z.B. kam es 1846 zu Ausschreitungen, bei denen Synagogen geplündert und jüdische Häuser und Geschäfte zerstört wurden.

 

Seit dem Beginn der Regierungszeit von Alexandru Ioan Cuza (1859-1866), dem ersten Herrscher des vereinigten Fürstentums Moldau und Walachei (Rumäniens), wurden die Juden dagegen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Landespolitik.

Alexandru Ioan Cuza
Alexandru Ioan Cuza

Doch der Mangel an Bürgerrechten verschärfte die Spannungen und die Feindseligkeit gegenüber den Juden, die als fremd, gefährlich und parasitär angesehen wurden.

Dieser Spannungszustand führte gelegentlich zu einer weit verbreiteten Gewalt, wie z.B. das Pogrom von Galaţi am 14. April (Ostern) 1859, bei dem viele Juden getötet wurden. Grund war die uralte Ritualmordanklage. Die Juden in Galați wurden angeklagt einen Ritualmord an einem griechischen christlichen Kind begangen zu haben, um aus seinem Blut Matzen für das Passahfest zu bereiten.

Die aufgewiegelte Volksmenge griff das Judenviertel in Galaţi an, tötete einige Juden, plünderte Geschäfte, zerstörte Häuser und Synagogen und verbrannte Thorarollen.

Die antijüdischen Unruhen, die angeblich von den Behörden gemeinsam mit dem Mob organisiert wurden, dauerten drei Tage. Die Behörden, anstatt die Anstifter zu bestrafen, verhaftete die Juden.

Der jüdische Bankier Rothschild selbst bat Fürst Alexandru Ioan Cuza die Juden aus Galați zu schützten.

Die Unruhen endeten aber erst nach dem Eingreifen des französischen Konsuls in der Stadt.

„Entsetzt über diese Ereignisse und unentschieden, wen er (Alexandru Ioan Cuza) zuerst verteidigen sollte, wurden die Juden auf rumänischem Boden massakriert",

Ion Heliade Rădulescu
Ion Heliade Rădulescu

schrieb der wallachischer Dichter, Zeitungsredakteur und Politiker Ion Heliade Rădulescu in einem Artikel mit dem Titel "Massaker in Galați":

„Die aufgebrachten Leute plünderten, töteten und begingen die grausamsten Verbrechen; viele Juden wurden ermordet und noch mehr wurden angegriffen und geschlagen; ihre Häuser wurden geplündert und zerstört. Zwei Synagogen wurden aufgebrochen und geplündert, die Thorarollen verwüstet.....

Juden essen keine Kinder in England, noch tun sie das in Frankreich oder in Deutschland, noch tun sie es sonst irgendwo, wo Menschen Menschen geworden sind. Wo sonst wird ihnen eine solch unmenschliche Tat vorgeworfen? Wo immer Menschen noch Barbaren oder Halbbarbaren sind“.

übersetzt aus: Andrei Oişteanu: Acuzaţia de omor ritual: O sută de ani de la pogromul de la Chişină (Der Vorwurf des Ritualmordes: Hundert Jahre nach dem Pogrom in Kischinew), Zeitschrift Contrafort, Andrei Oişteanu, Februar 2003;

 

 

1871 kam es in den Städten der Region (Ismajil, Cahul, Vilkovo) zu weiteren antisemitischen Ausschreitungen, die die jüdische und nichtjüdische Öffentlichkeit so sehr erregte, dass ein diplomatischer Eingriff nötig war, der versuchte, die Situation der Juden in Rumänien zu verbessern.

Als Russland Neubessarabien 1878 auf dem Berliner Kongress wieder zurückbekam, wurde den Juden, die in der Liste der rumänischen Steuerzahler waren, erlaubt dort, in ihren Wohnorten zu leben.

 

barra

indietro 1 avanti

 

Creative Commons Namensnennung- nicht kommerziell 3.0
2007 - 2016
CSS validoHTML valido