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Die Juden zur Zeit der Römer

(Teil 1 von 2)

zu Beginn des 1. Jahrhunderts entwickelten sich ganz langsam aus den jüdischen Gemeinden die ersten Christengemeinden. In dieser Zeit existierten die "alten" jüdischen Glaubensgemeinden und die neuen Christengemeinschaften größtenteils friedlich nebeneinander.

Römer zerstören den Tempel in 
      Jerusalem
Römer zerstören den Tempel in Jerusalem

Die polytheistischen Römer, denen das Reich Judäa1 seit dem Jahr 67 v. Chr. gehörte, waren den monotheistischen Juden gegenüber zunächst tolerant, doch in der Kaiserzeit (ca. 1.–3. Jahrhundert n. Chr.) kam es zu Konflikten, die schließlich 70 n. Chr. zur Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem führten. Fortan waren den Juden die Heiligen Stätten verschlossen, was zur weltweiten Zerstreuung der Juden (Diaspora2) führte.

In den angrenzenden Ländern, in Syrien, Babylonien, Ägypten, aber auch in Spanien (Sepharden) und Nordfrankreich (Aschkenasen3) entstanden neue blühende jüdische Gemeinden, die schnell wuchsen.

Unterdessen blieb beim jüdischen Volk in der Diaspora die Sehnsucht nach der alten Heimat und vor allem nach Jerusalem immer erhalten. All die Jahrhunderte hindurch beteten die Juden, wo auch immer sie lebten, für die “Sammlung der Zerstreuten“, für den Wiederaufbau Jerusalems und für die Rückkehr nach dem heißgeliebten Zion4.

der salomonische Tempel
der salomonische Tempel

 

Als Flüchtlinge sollten die Juden aber überall dort in Bedrängnis geraten, wo größere Bevölkerungsgruppen zum Christentum übertraten. So sollten die Juden auch im Römischen Reich, wo sich ab dem 4. Jahrhundert das Christentum durchsetzen konnte, immer wieder brutaler Verfolgung ausgesetzt werden.

 

132 bis 135 lehnten sich die noch in Palästina5 lebenden Juden gegen den römischen Kaiser Hadrian unter der Führung Bar Kochbas, der von vielen als Messias begrüßt wurde, auf.

Römische Provinzen unter Trajan (117 n. 
        Chr.)
Römische Provinzen unter Trajan (117 n. Chr.)

 

Hadrian
Hadrian

Der gewaltsame Aufstand scheiterte. Hadrian belegte die Ausübung der jüdischen Religionsvorschriften mit der Todesstrafe und die Juden durften fortan nicht mehr in Jerusalem leben.

500.000 der ca. 1,3 Millionen Einwohner Palästinas wurden von den Römern getötet oder in die Sklaverei verkauft.

Die Überlebenden gelangten mit den römischen Legionen nun als Handwerker, Ärzte, Händler, aber auch als Sklaven und als Kriegsgefangene, nach Westeuropa.

 

Caracalla
Caracalla

Erst Kaiser Caracalla erklärte im Jahre 212 die Juden des Römischen Reiches zu Vollbürgern. Sie genossen nun völlige Niederlassungsfreiheit und viele Juden verpflichteten sich im Römischen Heer als Legionäre, andere wiederum begleiteten die Römer bis in die neu gegründeten römischen Städte am Rhein und in Britannien, wo sie von den Römern in Köln, Trier, Mainz und Speyer angesiedelt wurden.

Die jüdischen Gemeinden, die im Raum des heutigen Deutschlands entstanden, zählen zu den Aschkenasen3. Im Gegenzug dazu entwickelten sich in Spanien und Portugal die Sepharden6.

Siedlungsgebiet und 
      Wanderbewegungen europäischer Juden im Mittelalter
Siedlungsgebiet und Wanderbewegungen europäischer Juden im Mittelalter

 

Konstantin der Große
Konstantin der Große

313 verabschiedete Kaiser Konstantin der Große das Mailänder Toleranzedikt, das das noch einige Jahre zuvor verfolgte Christentum den anderen Religionen gleichstellte und somit den Christen im ganzen Reich freie Religionsausübung zusicherte.

Als Kaiser Theodosius I. 380 das Christentum durch das Edikt Cunctos populos zur Staatsreligion erklärte, begann Rom die jüdische Minderheit zu entrechten, zu verfolgen und zu unterdrücken.

 

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1 Judäa war ursprünglich das jüdische Siedlungsgebiet um Jerusalem nach der Babylonischen Gefangenschaft, später das Reich Herodes’ des Großen. Ab 67 n. Chr. war Judäa römische Provinz

2 Der Begriff “Diaspora“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “Zerstreuung“ im Sinne einer Entfernung von der ursprünglichen Heimat; nachdem die Juden als orientalisches Volk, das das Land Israel bewohnte, um ca. 1000 v. Chr. in die Geschichte eingetreten sind, machte diese Gemeinschaft im Verlaufe seiner weiteren Entwicklung schon früh die Erfahrung, was es bedeutet, in fremde Herrschaften und Kulturen eingebunden zu werden (z.B. im “Babylonischen Exil“, d.h. der Deportation der jüdischen Oberschicht durch den neubabylonischen König Nebukadnezar II. 587 v. Chr.).
Nach der Heimkehr der Juden und dem Bau des Zweiten Tempels (515 v. Chr.) in Jerusalem, wurde dessen Zerstörung durch die Römer 70 n. Chr. zur traumatischen Erfahrung dieses Volkes.

3 Aschkenasen ist die Selbstbenennung der West- und Nordostjuden, die die Nachfahren der mittelalterlichen jüdischen Siedlungen im Rheintal sind, wo sie von der rö mischen Regierung angesiedelt wurden. Die älteste nachweisbare jüdische Gemeinde war die Gemeinde von Köln, die seit dem Jahr 321 belegt ist.
Aschkenas war im mittelalterlichen Hebräisch der Name für die deutsch-französische Region am Rhein und Aschkenasen bedeutet also Rheinbewohner. Spätestens seit der Wende des 13./14. Jahrhunderts wurde mit zunehmender Emigration der Juden aus Deutschland der Name Aschkenasen auf diese übertragen und umfasste dann auch die aus (Nord-)Frankreich, England und Norditalien stammenden Juden.

4 Zion hieß nach dem 2. Buch Samuels 5,7 ursprünglich eine Turmburg der Jebusiter dem südöstlichen Hügel des vorisraelitischen des Stadtstaates Jerusalem. Nach der hebräischen Bibel waren die Jebusiter ein kanaanitischer Stamm, der Jerusalem vor der Eroberung durch König Davidus und gebaut und bewohnt hat.
Seit der Eroberung Jerusalems durch König David und dem Bau des ersten Jerusalemer Tempels unter Salomo wurde Zion auf die “Stadt Davids“« und den Salomonischen Tempel ausgedehnt.

5 Palästina = Nach dem blutigen Aufstand 132/135 unter Führung von Bar Kochba wurde der römische Provinzname Iudaea (Judäa) in Syria Palaestina (unter Kaiser Diokletian geteilt) geändert.

6 Die Sepharditen (spanische Juden) lebten seit der römischen Zerschlagung Judäas (70 n. Chr.) auf der iberischen Halbinsel, die im Hebräischen Sepharad oder Sfarad genannt wurde.

 

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