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Die Ritualmordlegende

(Teil 2 von 2)

Darstellung des angeblichen Mordes an Rudolf von Bern
Darstellung des angeblichen Mordes an Rudolf von Bern
in der Berner Chronik von Diebold Schilling dem Älteren

der früheste mittel-alterliche Bericht, die Juden für das Verbrechen der rituellen Kindestötung anklagt, geht auf das Jahr 1144 zurück als in Norwich, Ostengland, der 12-jährige William von Norwich ermordet wurde.

Lichtwunder in der Nähe der Leiche sollen die Schuld der Juden bestätigt haben und bekräftigten Heiligkeit und Glaubensmartyrium.

Unter dem Vorwurf des Ritualmordes wurden etliche der Beschuldigten hingerichtet.

 

Norwich wurde zum Wallfahrt1sort, was im 12. Jahrhundert eine finanziell überaus lukrative Angelegenheit mit handfesten wirtschaftlichen Vorteilen war, denn die fromme Schaulust ließ sich trefflich ausmünzen. Schließlich ließen auch die Wallfahrer für Unterkunft und Verpflegung, für Messen und Pilgerzeichen gutes Geld in den Städten.

Rudolf von Bern mit Märtyrerpalme
Rudolf von Bern mit Märtyrerpalme

Antisemitische Ritualmordlegenden wurden vom 12. bis 20. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet.

Von England wanderte die Vorstellung vom “jüdischen Ritualmord“ rasch nach Westeuropa und Spanien, über Frankreich entlang des Rheins an den Bodensee und in die Schweiz, entlang von Main und Donau nach Hessen, Franken, Thüringen, Bayern, Böhmen und Österreich. Ende des 15. Jahrhunderts läßt sich eine Häufung in Oberitalien, ab dem 16. Jahrhundert eine starke Verbreitung in Polen, im 18. Jahrhundert in Russland und im 19. Jahrhundert im Osmanischen Reich feststellen.

 

Wunder in der Nähe Leichen des bewiesen die Martyrien und damit die Schuld der Juden, so z.B. am Tod Richards von Pontoise (1167), Haralds von Gloucester (1168), Roberts von Bury St. Edmunds (1181), Dominicus von Val (1250 in Saragossa), Werner von Oberwesel (1271), Rudolf von Bern (1294), Anderl von Rinn (1462), Simon von Trient (1475), Lorenzino Sossio (Laurentinus Sossius) (1485 bei Bassano) usw.. Dies war aber nur der Funke, der das Feuer noch mehr entzünden sollte.

 Karola de Prevot: Bild eines angeblichen      Ritualmord in der Kathedrale von Sandomierz (Polen)
Charles de Prevot: Bild eines angeblichen Ritualmord in der Kathedrale von Sandomierz (Polen)

 

1283 wurden in Mainz zehn Juden durch einen Mob ohne Verfahren ermordet, 1285 in München 180 Juden (fast die ganze Gemeinde) gelyncht. 1247 in Valréas in Südfrankreich gaben die Angeklagten nach grausamer Folter alles zu, was die Ankläger hören wollten: Juden würden weltweit am Karfreitag, zur Beschimpfung und Entmachtung Jesu, ein Christenkind kreuzigen, sein Blut auffangen und dieses am Karsamstag, ihrem heiligen Sabbat, trinken, um so wie früher durch Opfer im Tempel entsühnt und gerettet zu werden.

Folterung
Folterung

 

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1 Wallfahrt = auch Pilgerfahrt genannt, ist religiös motivierte Fahrt beziehungsweise Wanderung zu heiligen Stätten, Gräbern oder Gnadenbildern; in den meisten Religionen verbreitet; bei den Wallfahrern (Pilgern) in der Regel mit der Vorstellung verbunden, am Wallfahrtsort Gott besonders nahe zu sein, und verknüpft mit der Erwartung, dort Stärkung des persönlichen Glaubens, Gewinn religiöser Erkenntnis, Heilung von Krankheiten, Hilfe in persönlichen Notlagen und Sündenvergebung zu erlangen.
Wer z. B. 1350 eine Wallfahrt nach Rom unternahm, dem wurde Generalabsolution für all seine Sünden erteilt. Das war in der Zeit des Schwarzen Todes (Pest) ein attraktiver Grund für eine Wallfahrt. Schließlich wusste man ja nicht, wie lange man noch lebte und wollte zuvor noch seine Sünden loswerden.

 

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