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Gnadenfeld (Bladodatnoje, Blagodatnoje, Blagodatnoye)

Eine deutsche Tochterkolonie in Bessarabien

 

.... wär´s auch der ärmste Flecken
und wohnte Jammer dort,
all´ deine Kräfte strecken
sich hin nach diesem Ort. .....

                                       (Fritz Woike)

 

durch den Kinderreichtum der deutschen Kolonisten wurde es in den deutsch-bessarabischen Mutterkolonien bald zu eng. Viele junge Leute und auch ganze Familien kehrten deshalb ihrem Heimatdorf den Rücken und versuchten in Übersee oder anderen Ländern Fuß zu fassen. Andere wieder handelten nach der erprobten Weisheitsregel:

„Bleibe im Lande und nähre dich redlich!“

 

Diese letzteren taten sich meistens in Gesellschaften zusammen und nahmen größere Landgüter in Pacht oder kauften dieselben für erb und eigen auf. Die auf den gepachteten oder gekauften Gütern entstandenen Dörfer wurden mit dem Sammelnamen „Tochterkolonien“ benannt.

Auch Gnadenfeld war solch eine Tochterkolonie auf eigenem Grund und Boden.

Die Entstehung der Gemeinde Gnadenfeld

Das Landgut, ca. 400 m östlich des Flüsschens Sarata, auf dem Gnadenfeld 1880 entstanden ist, wurde im Herbst 1879 vom Odessaer Kaufmann Mendel Davidow Fukelmann für 36 Rubel je Desjatine mit einer 20-jährigen Abzahlungsfrist gemeinschaftlich erworben.

Bessarabien

Laut der Vermessungsurkunde der Bessarabischen Gouvernementsverwaltung bestand das Gut aus zwei Pachtgütern, dem Pachtgut Spiegelmann und dem Pachtgut Majorka. Da der Pachtvertrag dieser Pächter (Spiegelmann, Grünberg) erst 1882 ablief, musste die Gemeinde eine jährliche Landpacht in Höhe von 1570 Rubel bezahlen.

Aus Dankbarkeit für die gute Ernte im Ansiedlungsjahr wählte man den Namen Gnadenfeld. Auch im russischen und rumänischen Sprachgebrauch hieß es seit seiner Gründung bis zur Umsiedlung der Deutschen Gnadenfeld. Die Russen haben es nach deren Wegzug (1940) in Blagodatjnaja umgetauft, das Begnadete oder Gesegnete bedeutet.

1880 wurden also im muldenartigen Sarataer Tal, da wo es am breitesten ist und eine recht behäbige Ausdehnung annimmt, 52 Hofplätze auf beiden Seiten einer etwa 25 Faden1 breiten, ebenen und schnurgeraden Straße ausgemessen. Später kamen dann noch weitere 12 Hofplätze am oberen Dorfende dazu, so dass auf jeder Straßenseite 32 ganze Hofstellen (insgesamt 64) zu verzeichnen waren.

Die Dorfanlage dehnte sich wie das Sarataer Tal in nordsüdlicher Richtung aus und war 60 km nordwestlich der Kreisstadt Akkerman (rumänisch: Cetatea Albea), 25 km östlich vom ersten Kirchspieldorf Klöstitz und 3 km nördlich vom letzten Kirchspieldorf Eigenfeld entfernt.

Dorfanlage

Jeder Hofplatz war eine Desjatine2, 120 Faden lang und 20 Faden breit und der Länge nach dreiteilig. Gegen die Straße befand sich das Wohnhaus, dem sich die Wirtschaftsgebäude anschlossen, dazu folgte der Dreschplatz mit Stroh- und Heuschobern. Der letzte Teil bildete der Obst- und Gemüsegarten.

 

Die Gründer der Gemeinde Gnadenfeld

Die Gründer der Gemeinde Gnadenfeld kamen aus Kulm, Neu-Elft, Tarutino, Katzbach, Teplitz, Paris, Alt-Elft, Lichtental, Dennewitz, Leipzig und Wittenberg.

Im Frühjahr 1880 ließen sich die folgenden Familien aus den oben genannten Dörfern auf dem käuflich erworbenen Landgut nieder:

 

aus Kulm:

  • Dickhoff Karl, Dickhoff Wilhelm, Döring Samuel, Groß Johann, Groß Christian, Guse Daniel, Henneberg Ludwig, Henneberg Michael, Hinß Martin, Hoffmann Christian, Hoffmann Johann, Isaak Gottlieb, Müller August, Müller Daniel, Müller Gottlieb senior, Müller Gottlieb junior, Roloff August, Zahn Christian, Zahn Daniel, Zahn Gottlieb und Zahn Wilhelm.

aus Neu-Elft:

  • Falkenberg Johann, Hillius Karl, Rompel Andreas, Schaible Jakob, Scherbinske Johann, Schneider Christian, Schneider Gottlieb senior, Schneider Gottlieb junior, Siewert Andreas (mein Ururgroßvater mütterlicherseits), Siewert Karl, Seefried August, Stelzer Gottfried und Wirch Johann.

aus Tarutino:

  • Götz Wilhelm, Neumann Gottlieb, Neumann Johann und Ritz Daniel.

aus Katzbach:

  • Weiß Gottfired und Weiß Wilhelm.

aus Teplitz:

  • Reißer Gottlieb und Schaal Friedrich.

aus Paris:

  • Pöd Andreas und Teske Christian.

aus Alt-Elft:

  • Reich Christian

aus Dennewitz:

  • Vetter Friedrich

aus Leipzig:

  • Franz Gottfried

aus Wittenberg:

  • Kroll Johann

 

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indietro1 2 3avanti

1 1 Faden = 2,1336 m

2 1 Desjatine = 1,0925 ha

Quelle: Karl Ziegler: Chronik der Gemeinde Gnadenfeld (Bessarabien), Buchdruckerei Alfred Kurtzer, Wendlingen, 1963;

 

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