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Gnadenfeld (Bladodatnoje, Blagodatnoje, Blagodatnoye)

Eine deutsche Tochterkolonie in Bessarabien

 

Die Erweiterung der Dorfanlage

durch den Bevölkerungszuwachs machte sich nach etwa 50 Jahren ein Mangel an Wohnraum bemerkbar. Deshalb wurden 1928 hinter den Obst- und Gemüsegärten der ursprünglichen Hofstellen neues Bauland aus dem Bestand der Gemeindeweide ausgemessen. Jeder dieser 64 Bauplätze hatte eine Länge von 60 und eine Breite von 20 Faden1.

Die beiden neuentstandenen Straßen, die zwischen den alten und den neuen veliefen, hatten eine Breit von 8 Faden. Auf jeder Straßenseite stand eine Akazienreihe, die nicht nur viel Schatten spendeten, sondern zur Blütezeit auch einen lieblichen Wohlgeruch verbreiteten.

 

Der Hofplatz

Jeder Hofplatz wurde durch eine 1,50 m hohe Steinmauer von der Straße abgegrenzt. die Einfahrt war mit einem hohen hölzernen oder eisernen Hoftor versehen. Für den Personenverkehr diente ein kleiner Eingang der ebenfalls ein Törchen aufwies. An derPlauderstündchen Außenseite der Hofmauer war gewöhnlich ein Bänkchen angebracht, auf dem man in der Freizeit mit dem Nachbarn gerne zu einem Plauderstündchen zusammentraf.

Die Häuser standen in einem Abstand von 2 Faden von der Straßenmauer entfernt, in der Regel mit dem Giebel gegen die Straße gerichtet. Der Raum zwischen Hofmauer und Haus diente als Blumengärtchen. Die Häuser und Straßenmauern, die mit wenigen Ausnahmen verputzt waren, wurden jedes Jahr, gewöhnlich zu Pfingsten, gestrichen.

 

Die Haustypen

Die Häuser wiesen ein und denselben Baustil auf: sie bestanden aus einem Erdgeschoss und einem hohen Satteldach, doch ohne Unterkellerung und ohne Ausbau des Dachgeschosses. Die Bühne wurde vielmehr als Getreidespeicher benutzt.

Grundriss eines ganzen und eines halben Hauses

Die Keller hatten eine Tiefe von etwa 3 m. Ihr Gewölbe bestand aus Stein und wurde zum Schutz gegen Frost und Hitze über der Erde mit einer dicken Erdschicht (von zirka 1 m) bedeckt. Die Keller standen auf einer Seite des Hofes.

 

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1 1 Faden = 2,1336 m

Quelle: Karl Ziegler: Chronik der Gemeinde Gnadenfeld (Bessarabien), Buchdruckerei Alfred Kurtzer, Wendlingen, 1963;

 

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