Berlin

 

(Teil 1 von 4)

 

Vom Dorf zur Hauptstadt des Reiches

Fast alle großen deutschen Städte entstanden im Mittelalter und in einigen Fällen noch früher. Was Berlin angeht, war das völlig anders.

Spree
die Spree in der Nähe von Berlin

Das Gebiet des heutigen Berlins war um das Jahr 1200 mehr oder weniger menschenleer. Zwar ließen sich zuvor immer wieder Stämme unterschiedlichsten Ursprungs nieder, doch endgültig sesshaft wurden sie nie. So ist beispielsweise bekannt, dass bereits früh Germanen in diesem Gebiet, um Havel und Spree, wohnten, die so genannten Semnonen, ein Teilstamm der elbgermanischen Sueben. Diese zogen aber im 4. Jahrhundert in Richtung Oberrhein weiter und gingen in den späteren Schwaben auf.

Lausitz
Lausitz: Sumpfland zwischen dem Süden Brandenburgs,
dem Osten des Freistaates Sachsen sowie Teile
der polnischen Woiwodschaften Niederschlesien und Lebus

Im Berliner Raum nahm daher die Besiedlungsdichte ab, blieb aber von germanischen Restgruppen, den Burgundern, besiedelt, doch auch diese hielten es nicht lange dort aus.

Ab dem 6. Jahrhundert kamen slawische Stämme in die Lausitzer Gegend und um das Jahr 720 auch in den Berliner Raum. Sie übernahmen alte germanische Standorte und ließen sich ferner in bisher unbesiedelten Landstrichen nieder.

Albrecht I. von Brandenburg
Albrecht I. von Brandenburg

Als die Slawen im 12. Jahrhundert von Albrecht I. von Brandenburg1, aus dem germanischen Geschlecht der Askanier, entscheidend geschlagen wurden, entstand die Nordmark beziehungsweise die Mark Brandenburg.

Albrecht trieb die deutsche Ostsiedlung entscheidend voran. Es entstanden eine ganze Reihe von Burgen und Klöstern im Bereich der heutigen Großstadt Berlin. So z.B. die Burgen Spandau und Köpenick, das Kloster Lehnin des geistlichen Ordens der Zisterzienser und der Komturhof Tempelhof der Tempelritter.

Nur wenig später gründeten die brandenburgischen Markgrafen auf dem rechten Ufer der Spree die Stadt Berlin.  Etwa zur gleichen Zeit entstand die Fernhandelssiedlung Cölln, die mit Berlin durch eine gemeinsame Befestigung und einer Brücke als Bindeglied recht bald zur Doppelstadt zusammenwuchs.

Berlin-Cölln
Berlin-Cölln
Wappen der Mark Brandenburg
Wappen der Mark Brandenburg

Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt war nicht zuletzt den Markgrafen von Brandenburg zu verdanken, die den Kaufleuten die Zölle erließen und Berlin das Münzrecht sowie die hohe Gerichtsbarkeit erteilten. Durchreisende Kaufleute wurden juristisch verpflichtet, in Berlin einen Teil ihrer Waren zu verkaufen.

Zum Schutz der nun immer rasanter wachsenden Stadt wurde eine Stadtmauer errichtet. 1380 wurde die Stadt schließlich von einem verheerendem Großbrand heimgesucht. Auch von der Pest blieb man in der Doppelstadt nicht verschont. Nichtsdestotrotz rappelte sich Berlin-Cölln schnell wieder auf. Um 1400 zählten die beiden Städte zusammen rund 8.500 Einwohner und im 16. Jahrhundert stieg die Bevölkerungszahl auf über 10.000 an.

Mit dem Tod des letzten Askanierherrschers Markgraf Waldemar im Jahr 1319 fiel die Doppelstadt Berlin-Cölln nach kurzer, recht chaotischer und teilweise auch ausbeuterischer Regentschaft der Wittelsbacher 1415 unter die Oberhoheit der Hohenzollern. 1451 wurde Berlin-Cölln Residenzstadt der brandenburgischen Markgrafen und Kurfürsten.

Die Juden in Berlin

Der Davidstern in der ältesten überlieferten Kopie des masoretischen Text, datiert 1008
Davidstern

1510 wurden 100 in Berlin-Cölln lebende Juden beschuldigt, Hostien gestohlen und entweiht zu haben.

38 von ihnen wurden verbrannt, zwei wurden, nachdem sie sich zum Christentum konvertierten, geköpft und alle anderen Berliner Juden wurden ausgewiesen.

Nachdem nach 30 Jahren ihre Unschuld nachgewiesen werden konnte, durften Juden, nach Zahlung einer Gebühr, wieder in Berlin siedeln, wurden jedoch 1573 erneut, diesmal für 100 Jahre, vertrieben.

Die Peuplierungspolitik des Großen Kurfürsten

Großer Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg
Friedrich Wilhelm von Brandenburg

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte der Dreißigjährige Krieg für Berlin schlimme Folgen: Ein Drittel der Häuser waren beschädigt worden, die Bevölkerung halbierte sich. Friedrich Wilhelm, bekannt als der Große Kurfürst, übernahm 1640 die Regierungsgeschäfte von seinem Vater. Er startete eine Politik der Immigration und der religiösen Toleranz.

1671 wurde 50 aus Wien vertriebenen jüdischen Familien ein Zuhause gegeben. Seit 1812 galt für die Juden Berufsfreiheit.

 

Edikt von Potsdam
Edikt von Potsdam

Mit dem Edikt von Potsdam 1685 lud Friedrich Wilhelm die französischen Hugenotten, französische Protestanten meist calvinistischer Richtung, nach Brandenburg ein. Sie waren Teil einer umfassenden "Peuplierung", d.h. der Ansiedlung möglichst vieler wirtschaftlich leistungsfähiger Neubürger. Über 15.000 Franzosen kamen, von denen sich 6.000 in Berlin niederließen.

Um 1700 waren 20 Prozent der Berliner Einwohner Franzosen und ihr kultureller Einfluss war groß. Viele Einwanderer kamen außerdem aus Böhmen, Polen und Salzburg.

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1 Albrecht I. von Brandenburg, genannt auch Albrecht der Bär, aus dem Geschlecht der Askanier gründete im Jahre 1157 die Mark Brandenburg und war deren erster Markgraf. Albrecht trieb die deutsche Ostsiedlung entscheidend voran; durch ihn kam die Nordmark als Mark Brandenburg faktisch zum Heiligen Römischen Reich.