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Die mittelalterliche Kirche

 

um das heute verstehen zu können, muss man sich die Kirche als eine Bank vorstellen, die Heilsgüter und Gnademittel verwaltet.

Carl Heinrich Bloch: Die Bergpredigt (ca. 1890)
Carl Heinrich Bloch: Die Bergpredigt (ca. 1890)

Christus und die Heiligen hatten große Heilseinlagen in die Bank eingezahlt, die die Priester für Investitionen und Heilskredite nutzten. Gegen Bezahlung und durch Ableisten auferlegter Bußen (Schenkungen, Pilgerfahrten, Spenden), oder gegen Einzahlung von "symbolischem Kapital" wie Beichte, Abbitte oder öffentlicher Selbstkasteiung bekam man einen Heilskredit, mit dem man dann seine Sündenschulden tilgen konnte.

Oder man zahlte durch besonders frommen Lebenswandel selber in die Bank und hatte dann ein Heilsguthaben, das die Kirche als Teil des gesamten Heilskapitals verwaltete und für die Kreditvergabe an andere verwendete.

Priester

 

Auf all das hatte die Kirche ein Monopol und die Priester mussten als einzige Zugangsberechtigte zum Heilskapital Prüfungen und Gelübde ablegen.

Für die Austeilung der Heilsgüter gab es bis zum Ende des 15. Jahrhunderts eine feste Gebührenordnung: zwei Gulden für eine Seelenmesse, einen Gulden für eine Fürbitte, fünf Gulden für einen Ablass, ein halbes Bauerngut für ein Generalpardon.

 

Als Rom jedoch immer mehr Geld für den Bau des Petersdomes benötigte, wurden diese Regeln nach und nach gelockert. Nun konnte der Sünder auch ohne Beichte vor einem Priester die Strafe durch Kauf eines Ablassbriefes tilgen. Kirchenraub und Meineid wurden gegen neun Dukaten und ein Mord bereits für acht Dukaten vergeben. Schließlich konnte man auch Ablässe für Verstorbene kaufen.

Marienmünster in Dießen: Seelen im Fegefeuer
Marienmünster in Dießen: Seelen im Fegefeuer

Mit der Parole „Sobald das Geld im Kasten klingt die Seele aus dem Fegefeuer1 in den Himmel springt!“ Die Hälfte der Einnahmen diente dem Bau des Petersdoms in Rom, während die andere sich der Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und der Ablassprediger Johann Tetzel teilten.

 

Die Finanzkraft des jeweiligen kirchlichen Kreditinstituts war ganz unterschiedlich; am meisten Heilsgüter hatten die, die die Knochen eines berühmten Märtyrers "ergattert" hatten.

Albrecht Dürer: Marter der zehntausend Christen (Ausschnitt)
Albrecht Dürer: Marter der zehntausend Christen (Ausschnitt)

 

Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom
Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom

So eine Reliquie machte Reklame und verstärkte das Einlagekapital so sehr, dass über die normalen Gnadenmittel hinaus regelrechte Wunder wie Krankenheilung verkauft werden konnten.

Solche "Filialen" machten ihren Standort zu berühmten Wallfahrt2sorten und verbreiteten Freude und Profit in der ganzen Gegend.

Berühmte Wallfahrtsorte waren Rom mit dem Grab des Heiligen Petrus, Santiago de Compostela in Spanien mit den Gebeinen des Heiligen Jakob, Jerusalem mit dem Heiligen Grab oder auch Köln mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige; auch der Schrein des Heiligen Thomas in der Kathedrale von Canterbury löste eine Pilgerfahrt aus.

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1 Fegefeuer = lat. Purgatorium auch Reinigungsort genannt; Begriff aus der katholischen Theologie: seit dem Mittelalter übliche Bezeichnung für den Zustand der Läuterung (Reinigung) des Menschen nach dem Tod, die Vorbereitung der Seele auf den Himmel, das Paradies. Die Lehre vom Fegefeuer (aus der Bibel nicht direkt zu begründen und deshalb von der evangelischen Theologie abgelehnt) geht davon aus, dass im Tod endgültig über das Schicksal des Menschen entschieden wird und die in der Gnade Gottes Sterbenden durch ein von der Sühnetat Christi und der Fürbitte der Kirche getragenes Leiden gereinigt und vollendet werden (arme Seelen). - Eindrucksvolle dichterische Darstellung des Fegefeuers in Dantes "Divina Commedia".

2 Wallfahrt = auch Pilgerfahrt genannt, ist religiös motivierte Fahrt beziehungsweise Wanderung zu heiligen Stätten, Gräbern oder Gnadenbildern; in den meisten Religionen verbreitet; bei den Wallfahrern (Pilgern) in der Regel mit der Vorstellung verbunden, am Wallfahrtsort Gott besonders nahe zu sein, und verknüpft mit der Erwartung, dort Stärkung des persönlichen Glaubens, Gewinn religiöser Erkenntnis, Heilung von Krankheiten, Hilfe in pers önlichen Notlagen und Sündenvergebung zu erlangen.
Wer z. B. 1350 eine Wallfahrt nach Rom unternahm, dem wurde Generalabsolution für all seine Sünden erteilt. Das war in der Zeit des Schwarzen Todes (Pest) ein attraktiver Grund für eine Wallfahrt. Schließlich wusste man ja nicht, wie lange man noch lebte und wollte zuvor noch seine Sünden loswerden.

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