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viele werden sich fragen: Was hat den Württemberg mit Bessarabien zu tun?

Haus meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Christoph Leonhard Bechtle in Höpfigheim
Haus meines Ur-Ur-Ur-Großvaters
Christian Leonhard Bechtle in Höpfigheim,
wo er vor seiner Auswanderung nach Bessarabien
mit seiner Frau und seinen 9 Kindern lebte
(Foto aus den 1960er Jahren)

Meine Vorfahren wanderten Ende des 18. oder spätestens am Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem damaligen Wirtemberg, Bayern und Baden aus.

Aus Württemberg kamen:

  • Hiller1, Bechtle aus Höpfigheim, Groß aus Oberstenfeld, Blatter aus Gundelfingen, Fieß aus Mühlacker, Bosch aus Asselfingen (Oberamt Ulm), Johs aus Loßburg/Freudenstadt, Kempf2 (Kämpf) aus Walddorf, Stumm aus Auingen, Calmbach3 und Frey aus Grömbach, Hager aus Linkenheim

Aus Baden kamen:

  • Blatt4, Gabert aus Lützelsachsen und Diem aus Ochsenburg

Aus Bayern kamen:

  • Schmucker5 aus Offingen, Fuchs6 aus Wasserburg, Klein7 aus Gundremmingen (Bayern).
Hier geht's zu meinem Stammbaum Stammbaum

 

Um ihre Auswanderungsgründe und die der anderen Deutschen besser verstehen zu können, möchte ich hier versuchen die damalige Situation der Bevölkerung hauptsächlich in Wirtemberg darzustellen. Dazu muss man in der deutschen Geschichte weit zurückgehen.

 

Im 18. Jahrhundert ähnelte das Heilige Römische Reich deutscher Nation einem Flickenteppich. Der Südwesten Deutschlands bestand aus einer Vielzahl von Territorien unterschiedlichster Größe. Einer der stattlichsten Gebiete war das Herzogtum Württemberg. Die kleinsten Herrschaften umfassten gerade ein Gebiet von einem oder wenigen Dörfern.

Württemberg im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation um 1789
Württemberg im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation um 1789

 

 

Bauern bei der Arbeit
Bauern bei der Arbeit

Zirka 90% der Gesamtbevölkerung waren unfreie Bauern, deren Leben durch harte Arbeit und ständige Existenzängste gekennzeichnet war. Sie waren an ihren Grundherren gebunden, der sie vom Militärdienst befreite und ihnen Schutz gegen Abgaben und Frondienst zusicherte. Außerdem wurden sie durch die Obrigkeit unterdrückt. Es herrschte große Armut, da Abgaben auch bei schlechten Erträgen geleistet werden mussten. Oft lebten die Bauernfamilien am Rand des Existenzminimums.

 

P.S.: Über Kommentare und Vorschläge würde ich mich freuen. Benutzt doch dazu dieses Gästebuch.

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1 Christian Gottlieb Hiller, geb. *um 1775 in Ohmden, Württemberg über Zargórze in Westgalizien, das zu Preußen gehörte, wo 1802 sein Sohn Daniel Hiller geboren wurde, 1814 nach Alt-Elft in Bessarabien.
(Der Familienname Hiller (Hüller) kommt wahrscheinlich aus dem Mittelhochdeutschen und steht für hülle = Mantel oder aus dem Mittelniederdeutschen und steht für hulle = Kopfbedeckung, Kopftuch, Mütze - bzw. Mützenmacher)

2Johann Conrad Kämpf (auch: Michael Conrad), *9.2.1753 in Ebhausen (Altsteig), wanderte 1803 mit seiner Frau Anna Maria Brenner, *6.12.1752 in Walddorf (Altensteig), und seinen Kindern nach Preußisch Polen. 1816 war die Familie unter den Mitbegründern von Beresina in Bessarabien.

3 Der Nachname K(C)almbach ist ein Herkunftsname und deutet wahrscheinlich auf den Ortsnamen Calmbach (heute ein Ortsteil von Bad Wildbad) hin. Bewohner von dort könnten sich in Zumweiler (heute ein Ortsteil von Bad Altensteig), Wörnersberg und Grömbach in Baden-Württemberg niedergelassen haben. Zur Unterscheidung gleicher Vornamen wurde ihnen vielleicht in ihrer neuen Heimat der Herkunftsname (Calmbacher) als Familienname beigegeben.

4 Jakob Blatt (geb. 14. Juni 1801 in Lützelsachsen, Baden) wanderte 1830 mit seiner Frau Katherina Gaber(t) (geb. 10. März 1796 in Lützelsachsen) und Kind (JaKob Blatt, geb. 6.4. 1826 in Lützelsachsen) über Kopank (Kopanka, L'vivs'ka, Ukraine), wo sie sich längere Zeit aufhielten, nach Plotzk in Bessaraben.
(Der Familienname Blatt ist im Mittelhochdeutschen ein Berufsübername für für den Hersteller (Blattner) der blate »metallener Brustharnisch, Plattenpanzer« und kommt vor allem im westmitteldeutschen Gebiet zwischen Koblenz, Trier und Saarbrücken vor.)

5 Mein Ururururgroßvater väterlicherseits, der katholische Anton Schmucker, Witwer, Kolonist und Bauer, wanderte zusammen mit seinem Sohn Aloys (geb. 1795) 1821 nach Sarata.
Aloys, mein Urururgroßvater, heiratete zwischen 1822 und 1825, denn 1825 wohnte er mit seinem Vater und seiner Frau Marianne Blatter im Haus Nr. 46; Am 17. Juli 1827 kam sein einziges Kind Anaspesia in Sarata zur Welt.
(Der Familienname Schmucker ist ein Übernamen für das Mittelhochdeutsche smucken, smücken »an sich drücken, schmiegen; sich zusammenducken, sich zurückziehen; bekleiden; schmücken«.)

6 Johann Georg Fuchs, Müller im katholischen Wasserburg (heute ein Stadtteil von Günzburg in Bayern), wanderte 1822 als Lediger über Odessa nach Sarata (Bessarabien) aus, wo er 1825 die Witwe Kleopha (meine Urururgroßmutter) heiratete und in Sarata in ihr Haus Nr. 84 zog, wo sie schon mit ihrem Mann Jakob Friedrich Bendele gewohnt hatte. Kleopha brachte in die Ehe ihre Tochter aus erster Ehe, Karoline Bendele (geb. 26. 8.1825 in Sarata, † 24. Dezember 1907)
Zusammen hatten sie neun Kinder, von denen mindestens fünf jung verstarben: Johann Georg (geb. 30.8.1827), Marianna (geb. 28.3.1830), Gabriel (geb. 13.3.1832, mein Ururgroßvater), Maria Cleopha (geb. am 5.8.1834), Gottlieb (geb. 2.4.1836), Margarethe (geb. 19.10.1838), Theresia (geb. 22.3.1840), Kleopha (geb. am 15.10.1842), Elisabetha (geb. 1.1.1847).

Der Familienname Fuchs (auch: Fux) ist ein mittelhochdeutscher Übername (Eigenschaftsnamen). Mit ihm wurde im Mittelalter eine persönliche Eigenschaft des Namensträgers beschrieben. Dies konnte sich auf die rote Haarfarbe beziehen [meine Fuchs- Vorfahren hatten rote Haare], auf die Beschäftigung mit Füchsen (Jagd, Kleidung), ein Kürschner, der Fuchspelze verarbeitete; aber auch auf eine besondere Schläue (schlau wie ein Fuchs). Vereinzelt ging auch ein Hausname („Zum Fuchs“) auf den Besitzer über.)

7 Klara Cleopha Klein wanderte als Alleinstehende nach Russland aus. Wahrscheinlich war sie Magd bei einer Familie, mit der sie zusammen ausgewandert ist.
Am 23. November 1824 heiratete Klara Cleopha den Witwer Jakob Friedrich Bendele, Weber aus Bächingen a. d. Brenz (Lauingen), der mit der ersten bayerischen Einwanderungsgruppe 1821 nach Odessa kam. Im Frühjahr 1822 war Jakob Friedrich Bendele mit Ignaz Lindl nach Bessarabien gezogen, wo er unter den Mitbegründern der Mutterkolonie Sarata war und das Grundstück Nr. 84 bezog. Am 23. Oktober 1823 kam in Sarata sein Sohn Jakobus zur Welt, der am 12. November 1823 verstarb. Die Mutter des Jakobus war Agnes Offenwanger, die an den Folgen der Geburt am 1. November 1823 starb.
Klara Cleopha Klein heiratete nach dem Tod ihres Mannes Jakob Friedrich Bendele meinen Urururgroßvater Johann Georg Fuchs und brachte ihre Tochter aus der 1. Ehe, Carolina Bendele (*26.8.1825), mit in die Ehe.

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