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Silvester in Bessarabien

 

typisches Bethaus mit Glockenturm
typisches Bethaus mit Glockenturm

das letzte Fest des Jahres begann in den bessarabiendeutschen Dörfern mit einem Gottesdienst um 18 Uhr. Ernst und besinnlich verbrachte man die letzten Stunden dieses Tages. Das Bethaus war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die erwachsenen Mitglieder der Kirchengemeinde nahmen in einer feierlichen Zeremonie das Abendmahl und nach der Predigt verlas der Küster die Namen der im abgelaufenen Jahr Geborenen, Eheschließungen und Verstorbenen, wobei oft Tränen bei den vom harten Schicksal Betroffenen aufkamen. Es war immer eine Stunde der Besinnung.

Nach dem Gottesdienst ging man nach Hause oder traf sich mit Verwandten und Freunden zum Rest des Silvesterabends.

 

Bethaus mit Glockenstuhl in Gnadenfeld
Bethaus mit Glockenstuhl in Gnadenfeld

Etwa eine Viertelstunde vor Jahresschluss versammelte sich der Kirchenchor auf dem Glockenstuhl und sang zum Abschied: ,,Das Jahr will wieder scheiden .......", ,,Wie fleucht dahin des Menschen Zeit ........", ,,Schon wiederum verschwunden .........“ oder auch ein anderes passendes Lied. Nach dem Lied läuteten die Kirchenglocken das alte Jahr aus. Punkt 12 Uhr wurde mit der großen Glocke 12mal angeschlagen und darauf für eine halbe Stunde das im Dunkel verhüllte neue Jahr eingeläutet.

 

Jagdgewehr
Jagdgewehr

Danach ließ das Neujahrsschießen nicht lange auf sich warten. Manchmal knallten auch noch am Bethaus Jagdgewehre, zwölf Schüsse auf gutes Glück für das neue Jahr. Burschen und auch Männer fanden sich in Gruppen oder Grüppchen zusammen, zogen vor die Fenster ihrer guten Freunde und Verwandten und brachten unter Abfeuerung von Pistolenschüssen ihre Glückwünsche dar:

,,Ich wünsch' euch ein glückseliges neues Jahr
Und ein langes Leben,
Und darauf soll‘s Feuer geben."

oder

,,Ich wünsch ein glückliches, neues Jahr, vor Krankheit, Not und Gefahr Behüt‘ euch Gott im neuen Jahr. Das alte woll’n wir beschließen, Das neue gleich beschießen.“

Hof
ein Hof in Bessarabien

Der Beglückwünschte ließ es sich nicht nehmen, seine Gönner ins Haus einzuladen, um sie mit Gebäck und Getränk anständig zu bewirten.

Die Schießerei mit Glückwünschen verbunden währte manchmal bis in die Morgenstunden.

 

Am Neujahrsmorgen

Am Neujahrsmorgen gingen die Kinder zu Verwandten und Nachbarn und trugen ihre Wünsche etwa wie folgt vor:

,,Ein kleines Wünschlein bring' ich freundlich dar:
Gott segne euch im neuen Jahr."

Oder

,,Weil das neue Jahr begonnen,
Hab‘ ich mir es vorgenommen,
Euch zu wünschen in der Zeit
Friede, Glück und Seligkeit.
So viel Flocken in dem Schnee,
So viel Fischlein in dem See,
So viel Tröpflein in dem Regen
Soll euch Gott der Höchste, geben."

 

Weihnachtskekse
Weihnachtskekse

Für ihre guten Wünsche wurden die Kinder mit Geld und Leckerbissen beschenkt.

 

Fremdstämmige Neujahrs-Gratulanten, Wünscher genannt, trafen schon am Silvesterabend in den Dörfern ein, wo sie bei bekannten Knechten im Stall übernachteten.

Noch im Dunkeln wimmelte es von alten und jungen Wünschern auf der Straße und einer gab die Türklinke dem anderen in die Hand. Oft musste die schon verschlossene Haustür wieder geöffnet werden und auch alle Fremden wünschten nach ihrem Brauch ein gutes neues Jahr. Oft dauerte das Wünschen bis Mittag an und für ihre guten Wünsche wurden auch sie mit verschiedenen Gaben bedacht.

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