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Die Juden im Heiligen Römischen Reich

(Teil 1 von 3)

Fernhändler
Fernhändler

die Juden bildeten eine besondere Bevölkerungsgruppe in den mittel-alterlichen Städten.

Im heutigen Deutschland lebten sie als religiöse Minderheit vor allem in den Rheinstädten, wo sie einmal von den Römern angesiedelt worden waren und wo sie ihre eigene Kultur erhalten hatten.

Als Nichtchristen hatten sie seit der römischen Antike nur eingeschränkte Rechte.

 

Seit der 3. Synode von Orleans (538) wurde den Juden verboten christliche Knechte und Sklaven zu halten und sich während der Karwoche auf der Straße zu zeigen. Grund dafür war die Überzeugung, dass die Juden Christus lästerten.

 

Seit dem 3. Konzil von Toledo (589) waren die Juden aus kanonischer Sicht (den kirchlichen Rechtsbestimmungen gemäß) Menschen minderen Rechts. Zu den Konzilbeschlüssen gehörten: das Verbot der Ehe und des Geschlechtsverkehrs zwischen Juden und Christen, das Verbot gemeinsame Speisen einzunehmen, öffentliche Ämter auszuüben, aber auch die Verbrennung des Talmud1 und anderer jüdischer Schriften.

 

Aus dem Judenexkurs des Tacitus kann man diese antijüdische Stimmung entnehmen:

…. Dort (bei anderen Völkern) ist alles unheilig, was bei uns (Juden) heilig ist, andererseits ist bei ihnen erlaubt, was bei uns ein Frevel ist. ….. Den Widder schlachten sie, gewissermaßen, um dem Gott Amun Schmach anzutun; auch der Stier wird geopfert, weil die Ägypter den Apis verehren. Sie enthalten sich des Schweinefleischs in Erinnerung an die Plage. Denn diese Räude, mit der dieses Tier behaftet ist, hatte sie einst selbst gequält....... (Tacitus: Historien 4, 1-2)

Weil sie in Treue fest zueinander stehen, üben sie bei sich selbst Mitleid, aber feindseligen Hass gegen über allen anderen....

Die Ägypter verehren sehr viele Tiere und Bildnisse, die aus Menschen- und Tiergestalt zusammengesetzt sind. Die Juden dagegen glauben nur an eine Gottheit und diese stellen sie sich rein abstrakt vor. Für Frevler halten sie die, die Götterbilder aus vergänglicher Materie und nach menschlichem Aussehen schaffen. Jenes höchste und ewige Wesen kann weder abgebildet werden, noch ist es vergänglich. Daher stellen sie keine Götterbilder in ihren Städten und schon gar nicht in ihren Tempeln auf. Nicht den Königen lassen sie diese Verehrung zuteil werden, ebenso wenig wie sie den Kaisern diese Ehre zukommen lassen.... (Tacitus: Historien 5, 1-5)

 

Geldverleih
Der Geldverleih war eine der wenigen Tätigkeiten,
die der jüdischen Bevölkerung in Europa erlaubt war

Im Fränkischen Reich unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen (8.-9. Jahrhundert) waren Juden frei, waren als hervorragende Gelehrte bekannt, durften Grund und Boden erwerben und Waffen tragen.

Ihren Lebensunterhalt verdienten sie sich in erster Linie als Fernhändler, Ärzte, Ackerbauern und dem in der Umwelt verfemten Geldverleih.

 

Perle

Als Fernhändler hatten die Juden über ihre Glaubensbrüder im islamischen Teil Spaniens, in Sizilien, in Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten Zugang zu den großen Handelsrouten des Orients - zur Seidenstraße nach Indien und China und zur Weihrauchstraße, die vom Mittelmeer nach Südarabien führte.

So versorgten die jüdischen Kaufleute das Rheinland mit den Luxuswaren des Orients: mit Teppichen, Perlen, Seide und Brokat, mit Weihrauch und exotischen Gewürzen.

 

Zwischen Juden und Christen gab es über viele Jahre zahllose Kontakte. Christen kauften die Waren des Orients bei Juden und Juden Dinge des täglichen Bedarfs bei Christen.

In jüdischen Haushalten arbeiteten christliche Diener, jüdische Ärzte heilten Christen und auf den Straßen gehörten Juden zum alltäglichen Bild.

Viele der jüdischen Händler waren wohlhabend. Manche waren so reich, dass sie in der Art von Bankiers Geld gegen Zinsen zur Finanzierung aufwendiger kirchlicher und weltlicher Bauten zur Verfügung stellten.

 

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1 Talmud = das Gesetzbuch des nachchristlichen Judentums; die Grundlage seiner religiösen und bürgerlichen Einrichtungen.

 

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