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Das multiethnische Bessarabien

(Teil 5 von 5)

Die Kolonisten aus Südwestdeutschland

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b 1816 wurden vom selben Zaren weitere Siedler eingeladen, die aus Südwestdeutschland (Württemberg, Baden) kamen. Ab 1821 wanderten Kolonisten aus Bayerisch Schwaben nach Bessarabien, die zusammen mit Württembergern die Mutterkolonie Sarata gründeten; eine kleine Gruppe von schweizerischen Weinbauern aus der Deutsch- und Welschschweiz wurden ab 1822 in Schabo angesiedelt.

Auch bei diesen Kolonisten waren einige meiner Vorfahren dabei:

  • Mühlig Hugo: Landstraße mit Pferdewagen
    Mühlig Hugo: Landstraße mit Pferdewagen
    mein Ururururgroßvater väterlicherseits Johann Balthasar Blatter1, Weber, geb. 20.7.1760 in Gundelfingen (Landgerichtsbezirk Lauingen (Bayrisch Schwaben) mit Frau und 5 Kindern
  • mein Ururururgroßvater väterlicher-seits Anton Schmucker2, Landmann, geb. 1751 in Offingen (Landgerichtsbezirk Günzburg in Bayrisch Schwaben)
  • mein Ururururgroßvater väterlicherseits Georg Bosch, Zimmermann, geb. 1773 in Asselfingen (Oberamt Ulm, Württemberg) mit Frau Anna Katharina und 4 Töchtern

Urururgroßeltern väterlicherseits:

  • Jakob Blatt3, geb. am 14.6.1801 in Lützelsachsen/Baden
    • Katharina Gabert, geb. in Lützelsachsen/ Baden;
  • Christian Leonhard Bechtle, geb. am 7.9.1784 in Höpfigheim (Württemberg)
    • Elisabetha Dorothea Groß, geb. 3.10.1789 in Oberstenfeld (Württemberg);
  • Johann Georg Fuchs4, geb. am 25.4.1801 in Wasserburg (Bayern)
    • Klara Cleopha Klein5, geb. am 10.10.1802 in Gundremmingen (Bayern);
  • Karl Fridrich Fieß, geb. 23.1.1775 in Dürrmenz (Württemberg)
Hier geht’s zu meinem Stammbaum mein Stammbaum
Haus meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Christoph Leonhard Bechtle in Höpfigheim
Haus meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Christian Leonhard Bechtle in Höpfigheim, wo er vor seiner Auswanderung nach Bessarabien mit seiner Frau und seinen 9 Kindern lebte
(das Foto wurde von meinem Vater in den 1960er Jahren aufgenommen und er war sicher,
dass es das Haus seines Ur-Ur-Großvaters Christian Leonhard Bechtle war,
da sich im Innern des Hauses ein Balken mit seinem Namen und Nachnamen befand,
der dann später mysteriöserweise verschwunden ist)

 

Auf diese Weise entstanden zwischen 1814 und 1842 insgesamt 25 so genannte Mutterkolonien, die alle im Umkreis der Steppenflüsse Kogälnik, Tschaga, Tschiligider, Sarata in der Mitte Südbessarabiens, im Budschak, lagen.

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die deutschen Mutterkolonien in Bessarabien von 1814-1842

 

Neben Deutschen und Schweizern siedelte die russische Kolonialbehörde in Bessarabien auch andere Volksgruppen an, die allerdings nur teilweise den Kolonistenstatus und modifizierte Privilegien erhielten.

Als kleine Minderheit inmitten der für Bessarabien typischen bunten Vielfalt ethnischer Gemeinschaften lebten die deutschen Kolonisten mit Moldauern, Bulgaren6, Gagausen7, Russen, Ukrainern, Juden und anderen in guter Nachbarschaft.

Neben der Urbarmachung des Landes verfolgte Russland mit der Kolonisierung auch das politische Ziel, die Mehrheit der ursprünglich dort lebenden rumänischen (moldauischen) Bevölkerung zu verändern. Einwanderer erhielten Privilegien und das beste Land, was ansässigen Rumänen vorenthalten blieb.

 

die Bevölkerungsrevision von 1816
die Bevölkerungsrevision von 1816

In der ersten Bevölkerungs-revision im Jahr 1816 wurden knapp 100.000 Familien (491.679 Seelen) gezählt. Eine Aufgliederung nach Nationalitäten ergab, dass die Rumänen bzw. Moldauer mit 86% das Gros der damaligen Bevölkerung Bessarabiens stellten.

Außerdem wurden 6,5% Ruthenen (Ukrainer), 4,2% Juden, 1,5% Lipowaner8 im Donaudelta, 0,7% Griechen, 0.6% Armenier. 0,25% Bulgaren und ebenso viele Gagausen gezählt.

Die deutschen Kolonisten waren in dieser Aufstellung noch nicht berücksichtigt. Auch die bessarabischen Zigeuner, zu jener Zeit Sklaven der moldauischen Großgrundbesitzer, waren bei dieser Bevölkerungsrevision noch nicht einbezogen.

 

Die großzügige Vergabe von Ländereien an verdiente Militärs und Verwaltungsbeamte des Zarenreiches schuf die Voraussetzung für eine seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Binnenkolonisation durch Gründung von Tochterkolonien auf ehemaligem Adelsland, das nach und nach von den Eigentümern verpachtet oder verkauft wurde.

Tochterkolonie in Bessarabien

 

Bis zur Umsiedlung im Jahr 1940 entstanden auf diese Weise allmählich in Süd- und Mittelbessarabien, am wenigsten in Nordbessarabien, 100 Tochterkolonien, 26 Gutshöfe und Weiler.

 

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1 Mein Ururururgroßvater väterlicherseits, der katholische Johann Balthasar Blatter (geb. 20.7.1760), Anhänger von Ignaz Lindl, zog mit seiner Frau Katharina Burkhardt und seinen 5 in Gundelfingen geborenen Kindern (Johann Balthasar, geb. 17.12.1794; Marianna(?), geb. 1800; Marie, geb. 1801; Viktoria, geb. 1803; Marianne, geb. 1806; Magdalena, geb. 1807) im Juli 1821 von Gundelfingen (Landgerichtsbezirk Lauingen (Bayrisch Schwaben) nach Russland, um mit Lindl in einer Kolonie zu leben. Bei ihrer Ankunft in Odessa am 24.9.1821 wurden sie vorläufig in schon bestehenden deutschen Kolonien bei Odessa untergebracht.
1822 zog die Familie Blatter mit Lindl und anderen Anhängern Lindls nach Bessarabien, um dort die Mutterkolonie Sarata zu gründen.
1825 lebte Balthasar Blatter, in der Zwischenzeit Witwer, mit seinem Sohn Johann Balthasar und seinen Töchtern Marie (geb. 1801) und Magdalena (geb. 1806) in Sarata im Haus Nr. 31.

2Mein Ururururgroßvater väterlicherseits, der katholische Anton Schmucker, Witwer, Kolonist und Bauer, wanderte zusammen mit seinem Sohn Aloys (geb. 1795) 1821 nach Sarata.
Aloys, mein Urururgroßvater, heiratete zwischen 1822 und 1825, denn 1825 wohnte er mit seinem Vater und seiner Frau Marianne Blatter im Haus Nr. 46; Am 17. Juli 1827 kam sein einziges Kind Anaspesia in Sarata zur Welt.

3 Jakob Blatt (geb. 14. Juni 1801 in Lützelsachsen, Baden) wanderte 1830 mit seiner Frau Katherina Gaber(t) (geb. 10. März 1796 in Lützelsachsen) und Kind (JaKob Blatt, geb. 6.4. 1826 in Lützelsachsen) über Kopank (Kopanka, L'vivs'ka, Ukraine), wo sie sich längere Zeit aufhielten, nach Plotzk in Bessarabien.

4 Johann Georg Fuchs, Müller im katholischen Wasserburg (heute ein Stadtteil von Günzburg in Bayern), wanderte 1822 als Lediger über Odessa nach Sarata (Bessarabien) aus, wo er 1825 die Witwe Kleopha (meine Urururgroßmutter) heiratete und in Sarata in ihr Haus Nr. 84 zog, wo sie schon mit ihrem Mann Jakob Friedrich Bendele gewohnt hatte. Kleopha brachte in die Ehe ihre Tochter aus erster Ehe, Karoline Bendele (geb. 26. 8.1825 in Sarata, † 24. Dezember 1907)
Zusammen hatten sie neun Kinder, von denen mindestens fünf jung verstarben: Johann Georg (geb. 30.8.1827), Marianna (geb. 28.3.1830), Gabriel (geb. 13.3.1832, mein Ururgroßvater), Maria Cleopha (geb. am 5.8.1834), Gottlieb (geb. 2.4.1836), Margarethe (geb. 19.10.1838), Theresia (geb. 22.3.1840), Kleopha (geb. am 15.10.1842), Elisabetha (geb. 1.1.1847).

Der Familienname Fuchs (auch: Fux) ist ein mittelhochdeutscher Übername (Eigenschaftsnamen). Mit ihm wurde im Mittelalter eine persönliche Eigenschaft des Namensträgers beschrieben. Dies konnte sich auf die rote Haarfarbe beziehen [meine Fuchs- Vorfahren hatten rote Haare], auf die Beschäftigung mit Füchsen (Jagd, Kleidung), ein Kürschner, der Fuchspelze verarbeitete; aber auch auf eine besondere Schläue (schlau wie ein Fuchs). Vereinzelt ging auch ein Hausname („Zum Fuchs“) auf den Besitzer über.)

5 Klara Cleopha Klein wanderte als Alleinstehende nach Russland aus. Wahrscheinlich war sie Magd bei einer Familie, mit der sie zusammen ausgewandert ist.
Am 23. November 1824 heiratete Klara Cleopha den Witwer Jakob Friedrich Bendele, Weber aus Bächingen a. d. Brenz (Lauingen), der mit der ersten bayerischen Einwanderungsgruppe 1821 nach Odessa kam. Im Frühjahr 1822 war Jakob Friedrich Bendele mit Ignaz Lindl nach Bessarabien gezogen, wo er unter den Mitbegründern der Mutterkolonie Sarata war und das Grundstück Nr. 84 bezog. Am 23. Oktober 1823 kam in Sarata sein Sohn Jakobus zur Welt, der am 12. November 1823 verstarb. Die Mutter des Jakobus war Agnes Offenwanger, die an den Folgen der Geburt am 1. November 1823 starb.
Klara Cleopha Klein heiratete nach dem Tod ihres Mannes Jakob Friedrich Bendele meinen Urururgroßvater Johann Georg Fuchs und brachte ihre Tochter aus der 1. Ehe, Carolina Bendele (*26.8.1825), mit in die Ehe.

6 Bulgaren = einzelne bulgarische Familien kamen schon 1770, 1790 und 1806 als Emigranten in die Gegend von Ismail, in den Budschak nach Südbessarabien, um Schutz vor dem Osmanischen Reich zu finden. 1812, nachdem Bessarabien zum Russischen kam, lebten bulgarische Kolonisten in 60 Dörfern Bessarabiens.
Größere Gruppen wanderten im Rahmen der russischen Ansiedlungen nach der endgültigen russischen Übernahme von 1812 ein. Sie ließen sich westlich von Ismajil bei der Stadt Bolgrad und auf den von den Tataren verlassenen Gebieten im Süden nieder.
1819 erhielten die 24.000 in Bessarabien lebenden Bulgaren eine Selbstverwaltung und den Kolonistenstatus, der mit Privilegien verbunden war. 1927 lebten zirka 150.000 Bulgaren in Bessarabien.

7 Gagausen = christliche Volksgruppe im autonomen Gebiet Gagausien in Moldawien, im Südosten von Bessarabien, sowie in Russland, der Ukraine, Rumänien und Bulgarien; als Vorfahren der Gagausen gelten die Turkölker der Petschenegen und der Kyptschaken.

8 Lipowaner = altgläubige orthodoxe Christen, die an der Donaumündung, im Budschak (heute Oblast Odessa, Ukraine) und in der Norddobrudscha (Rumänien), wohnen. Sie sprechen eine sehr alte Version der russischen Sprache. Im Russischen Reich wurden sie von Staat und Kirche verfolgt.

 

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