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Die Bedeutung des Kreuzzuges

(Teil 2 von 2)

für uns, die wir in der Gegenwart leben, ist es schwer nachvollziehbar, warum die Menschen, die zum Kreuzzug aufbrachen, bereit waren, ihre Heimat zu verlassen, sogar den Tod auf sich zu nehmen, um dem Ruf des Papstes Folge zu leisten.

Papst Urban II.: Deus lo vult (Gott will es)
Papst Urban II.: Deus lo vult (Gott will es)

Der äußerliche Grund war natürlich der Aufruf Urbans II. “Deus lo vult“. Weiterhin nannte der Papst als Grund für die nötige Verteidigung des Ostens die Buße, denn die christliche Menschheit müsse sich Gott zuwenden, um für den “Verlust" der Heiligen Stadt an die “Ungläubigen“ zu büßen. Das geschähe am besten in Form einer Pilgerfahrt. Zentral unter all den genannten Anregungen stand allerdings der Ablassgedanke, denn nach einer geleisteten Bußstrafe wurde Ablass gewährt. Die Christen glaubten, dass sie, wenn sie auf Erden büßten, im Jenseits "frei" sein würden, d.h. dass sie ohne Fegefeuer direkt in den Himmel, das Paradies, kommen würden. Der Lohn für die Strapazen des Kreuzzugs, die man auf sich nehmen musste, war also die Vergebung der Sünden.

,,Wer allein aus Beweggründen der Frömmigkeit den Kreuzzug antrete, dem solle dieser an Stelle aller kirchlichen Bußen angerechnet werden".

aus: Mayer Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, 8. Aufl., Urban Taschenbücher, Bd. 86, Stuttgart, Berlin, Köln 1995, S. 34;)

 

Für Gläubige stellte dieser Gedanke zweifellos einen noch größeren Anreiz zur Kreuznahme1 dar.

der Wanderprediger Peter der Einsiedler predigt den Kreuzzug
Peter der Einsiedler predigt den Kreuzzug

Der ganzen Bewegung haftete ein apokalyptischer und eschatologischer Charakter an, denn man sprach vom kommenden Weltende und der Weg nach Jerusalem2 wurde als Weg ins Himmelreich auf Erden verstanden. In erster Linie wurde der Gedanke von den Armen aufgegriffen, denn die im Diesseits arm sind, werden das Himmelreich erlangen, wie es in der Bergpredigt heißt:

,,Selig sind, die da geistlich arm sind: denn das Himmelreich ist ihr;

(Matthäus 5, 3)

 

ein Wanderprediger predigt den Kreuzzug
ein Wanderprediger predigt den Kreuzzug: Taufe oder Tod

 

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1 Kreuznahme = beim 1. Kreuzzug, der aus allen Gesellschaftsschichten vom Bettler bis zum verarmten Ritter reichte, heißt es, dass "zehntausende" das Kreuz nahmen und sich viele "spontan das Stoffkreuz" anhefteten - beide Zitate meinen eigentlich dasselbe. Die Kreuznahme ist eine für alle offensichtliche Kennzeichnung, die den Träger als Jerusalempilger erkennen lässt. Ein Soll und Muss war nicht gegeben, alles lag im persönlichen Geschmack. Auf einem Kreuzzug war es aber geradezu lebenswichtig, sich durch das Kreuz als Christ erkenntlich zu machen; peinlich, wenn man durch seine eigenen Glaubensbrüder niedergemacht wird, weil man ihn nicht als ihresgleichen erkannt hätte. Diejenigen, die dem Aufruf folgten, befestigten Kreuze an den Aussenseiten ihrer Gewänder. So entstand die Bezeichnung "Kreuzler" bzw. Kreuzfahrer. Die Juden bezeichneten diese als to'im (" [verirrte] Wanderer").

2 Jerusalem wird von Christen, Juden und Muslimen als Heilige Stadt angesehen. Für alle drei dieser Religionen ist Jerusalem als Wirkungsort verschiedener Propheten wie Abraham, Salomon, David, Zacharias und anderen bedeutend. Orte, wie der Tempelberg, sind seit jeher umstritten und Ursache für Konflikte.

 

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